Kunstkontor Dr. Doris Möllers

Liebknecht, Robert (Berlin 1903 - 1994 Paris)

Ohne Titel (Im Lager „Les Milles“).

Zimmermannsbleistift auf kariertem Papier, mit Bleistift signiert und datiert, 1939. 27,4 : 20,8 cm. Provenienz: Nachlaß des Künstlers, Privatsammlung Westfalen. In den Ecken kleinere Knicke, insgesamt gut erhalten.
„Les Milles“ war eine ehemalige Ziegelei in der Nähe von Aix-en-Provence und wurde ab September 1939 als Internierungslager für „Unerwünschte Ausländer“, ab 1942 als Deportationslager für Juden genutzt. Unter den Gefangenen befanden sich u. a. Lion Feuchtwanger, Golo Mann, Max Ernst, Heinrich Maria Davringhausen, Anton Räderscheidt und Walter Hasenclever.
Wie auf der Zeichnung zu sehen, dienten den Häftlingen Ziegelsteine als Sitzgelegenheit. „Überall lagen zerbrochene Ziegelsteine, überall Ziegelsteinstaub, sogar im kargen Essen, das uns zugeteilt wurde. Dieser rote Staub setzte sich in den Poren der Haut fest“ schilderte Max Ernst. Für etwa 2000 Internierte gab es eine Wasserleitung und vier einfache Toiletten. Dennoch wird das Lagerleben als relativ human beschrieben. Liebknecht wurde im Sommer 1939 in St. Tropez verhaftet. Zunächst hielt man ihn 10 Tage in Toulon fest, bevor er nach „Les Milles“ transportiert wurde. Dank der Unterstützung französischer Freunde, konnte er das Lager Weihnachten 1939 wieder verlassen.

Robert Liebknecht war 15 Jahre alt, als man seinen Vater, Karl Liebknecht, 1919 ermordete. Zunächst besuchte er von 1919 bis 1920 den Unterricht von Hans Baluschek in den „Studienateliers für Malerei und Plastik“ von Arthur Lewin-Funcke. Nach Ablehnung an den Akademien in Berlin und Wien setzte er hier den Besuch der Kurse von Willy Jaeckel fort. Von 1923 bis 1930 studierte Liebknecht an der Akademie in Dresden und wurde Meisterschüler von Robert Sterl. 1927 heiratete er die Jüdin Herta Goldstein. Im März 1933 wurde er als Kunsterzieher an der Volkshochschule Neukölln entlassen, im folgenden Monat emigrierte das Paar nach Paris. Alles bis dahin Geschaffene mußte der Künstler in Berlin zurücklassen, nur wenige Arbeiten konnte ihm sein Malerfreund Herbert Tucholski (1896-1984) nachsenden. 1938 hatte der Künstler seine erste EInzelausstellung in Paris in der „Galerie Jeanne Castel“. 1939 wurde Liebknecht nach einem Sommeraufenthalt in St. Tropez im Lager „Les Milles“ bei Aix-en-Provence interniert. 1940 erfolgte eine weitere Internierung in Paris, später erneut in ein Arbeitslager in Südfrankreich. 1943 gelang Herta und Robert Liebknecht, die mittlerweile eine Tochter hatten, die Flucht in die Schweiz. 1946 kehrten sie nach Frankreich zurück und liessen sich in Paris nieder und nahmen 1956 die französische Staatsbürgerschaft an. Große Teile seines Frühwerkes hatte der Krieg ausgelöscht, ebenso wie die Erinnerung an den Künstler in Deutschland.
Käthe Kollwitz, die den toten Vater gezeichnet und in einem Holzschnitt konterfeit hatte, schrieb über den Sohn: „Der junge Robert Liebknecht war mit seinem Freund Goldstein hier. Er brachte Skizzenbücher ... Der Junge ist sehr begabt. Von ungeheurem Temperament, Liebknechtschem Ungestüm, sind seine Zeichnungen“ (Tagebuch am 27.1.1919).


Ohne Titel (Straßenecke in Wedding).

Tuschfederzeichnung auf gelblichem Papier, mit Bleistift signiert und datiert, 1932. 36,8 : 46 cm. Provenienz: Nachlaß des Künstlers, Privatsammlung Westfalen. Der untere Rand mit kleineren, hinterlegten Einrissen, oben etwas knittrig. Emigration- und kriegsbedingt sind in Berlin entstandene Werke von allergrößter Seltenheit.


Ohne Titel (Boulevard in Paris).

Kreidezeichnung auf Zeichenblockpapier mit Bleistift signiert, um 1933. 29,2 : 37,8 cm. Provenienz: Nachlaß des Künstlers, Privatsammlung Westfalen.
Sehr virtuose, teils mit der quergestellten Kreide gezeichnete Momentaufnahme. In den Ecken montiert, stellenweise mit winzigen Papierverlusten.


Ohne Titel (An der Theke).

Tuschfederzeichnung in blau auf Skizzenblockpapier um 1933. 21,5 : 15,3 cm. Provenienz: Nachlaß des Künstlers, Privatsammlung Westfalen. Bis auf geringe Altersspuren sehr schön erhalten.


Ohne Titel (Im Bistro).

Tuschfederzeichnung in blau auf Skizzenblockpapier, an einer Stelle mit Deckweiß gehöht, mit Bleistift monogrammiert, um 1933. 15,1 : 21,5 cm.  Provenienz: Nachlaß des Künstlers, Privatsammlung Westfalen. Bis auf geringe Altersspuren sehr schön erhalten.


Ohne Titel (U-Bahn-Durchstich in Berlin).

Ölkreidezeichnung auf festem Papier, mit Bleistift signiert und datiert, 1930. 28,3 : 40,8 cm. Provenienz: Nachlaß des Künstlers, Privatsammlung Westfalen.
1902 wurde die erste Linie der „Gesellschaft für elektrische Hoch- und Untergrundbahnen in Berlin“ eröffnet, der bis Ausbruch des Krieges 1914 vier weitere folgten. Zwischen 1923 und 1931 wurde das Streckennetz erheblich erweitert und erreichte eine Länge von 76 Kilometern.

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