Kunstkontor Dr. Doris Möllers

Schubert, Otto (1892 - Dresden - 1970)

Faust.

Mappe mit 9 (von 12) Radierungen auf Kupferdruckpapier, mit Bleistift signiert, nummeriert und als „Selbstdruck“ bezeichnet, 1922. In Halbleinenmappe, vom Künstler beschriftet. Plattengröße zwischen 8,8 : 6,8 cm auf 15,5 : 12 cm auf ca. 17 : 15 cm. Provenienz: Privatsammlung Rheinland. Stellenweise leicht gebräunt, die Mappe mit Altersspuren. 1. von 50 Exemplaren. Matuszak 3962-3974. Die Auflage ist möglicherweise nicht ausgedruckt worden oder den Bomben zum Opfer gefallen, da die Folge sehr selten ist. Schubert studierte 1906-1909 an der Kunstgewerbeschule in Dresden und arbeitete von 1909 bis 1913 als Bühnenmaler am Hoftheater. Im Anschluß studierte er bei Emanuel Hegenbarth an der Dresdner Kunstakademie. Nach seiner Kriegsverwundung war Schubert von 1917 bis 1918 Meisterschüler von Otto Gussmann und Otto Hettner und bekam den großen Staatspreis. 1919 gründete er zusammen mit seinen Freunden Otto Dix, Conrad Felixmüller und anderen die Dresdner Secession 1919. Schubert unterhielt enge Kontakte zu den Brückekünstlern, besonders zu Erich Heckel. Ab 1918 beschäftigte er sich auch mit Buchillustration. 1922 hatte er seine erste große Einzelausstellung in der Galerie Flechtheim, Berlin. Sein Ruhm als hervorragender Graphiker und hochbegabter Maler wurde durch zahlreiche Ausstellungen in Berlin, Chemnitz. Mannheim und Dresden gefestigt. Über 50 seiner Werke wurden im Rahmen der Aktion „Entartete Kunst“ aus Museen entfernt, 2 Gemälde 1937 in München auf der gleichnamigen Femeausstellung gezeigt. Im Zweiten Weltkrieg wurde bei dem großem Luftangriff auf Dresden sein Atelier und damit alle darin gelagerten Werke vernichtet und seine Frau getötet.

Titelblatt
Vor dem Tor
In der Hexenküche
Abend
Gartenhäuschen
Marthens Garten
Nacht
Walburgisnacht
Nacht - offen Feld
Kerker

Der Wissenschaftler Heinrich Faust ist mit seinen Forschungen und seinem Leben unzufrieden.

Vor dem Tor: Draußen vor dem Tor sind viele Menschen unterwegs zum Osterspaziergang. Faust und sein Famulus Wagner gesellen sich dazu. Die Stimmung von Faust bessert sich. Seinem Fabulus bekennt er: „Zufrieden jauchzet Groß und Klein, hier bin ich Mensch, hier darf ich‘s sein“. Mittlerweile ist die Dämmerung hereingebrochen. Auf einem Feld entdecken die beiden Männer einen geheimnisvollen Hund. Das Tier nähert sich und während Wagner nichts weiter sieht, als einen ganz gewöhnlichen schwarzen Pudel, hat Faust eine böse Vorahnung und glaubt hinter ihm einen Feuerstrudel erblickt zu haben. Faust: Vom Eise befreit sind Strom und Bäche Durch des Frühlings holden, belebenden Blick, Im Tale grünet Hoffnungsglück; Der alte Winter in seiner Schwäche, Zog sich in rauhe Berge zurück

In der Hexenküche: Der Pudel, den Faust mit zu sich genommen hat, verwandelt sich in den Teufel Mephisto. Dieser schließt mit Faust einen Pakt, ihm im Diesseits stets zu dienen, während Faust ihm seine Seele überläßt, wenn es Mephisto gelingt, ihn glücklich zu machen. Beide planen zu verreisen. Sie gelangen in eine Hexenküche. Hier soll der alte Gelehrte Faust verwandelt werden, in einen jungen, attraktiven Mann. Faust ist skeptisch. „Mir widersteht das tolle Zauberwesen.“ Mephisto plaudert unterdessen mit den sprechenden Katzen. Mit entsetzlichem Geschrei kommt die Hexe hinzu. Sie flucht und schimpft. Doch als sich Mephisto als ihr Herr und Meister zu erkennen gibt, zeigt sie sich sogleich dienstbeflissen. Der Teufel verlangt ein gutes Glas von dem bekannten Saft. Faust ist bei dem merkwürdigem Spektakel, das nun stattfindet, nicht ganz wohl. „Mich dünkt, die Alte spricht im Fieber“, meint er skeptisch. Endlich ist der Verjüngungstrank fertig. Die Alte reicht ihn dem Professor in einer Schale. Mephisto: Du sollst das Muster aller Frauen nun bald leibhaftig vor sehn. Du siehst, mit diesem Trank im Leibe, Bald Helenen in jedem Weibe.

Abend: Nachdem Faust wieder zurück ist, begegnet er einer jungen Frau auf der Straße und spricht sie an. Die verdutzte Margarete weist ihn jedoch ab. Faust bedrängt Mephisto, ein Rendez-Vous mit der jungen Frau zu arrangieren. Mephisto soll ihr ein Geschenk besorgen. Gretchen ist allein in ihrem Zimmer. Die Begegnung mit dem vornehmen Mann auf der Straße geht ihr nicht aus dem Kopf. Margarete öffnet das Fenster und beginnt sich auszuziehen. Da entdeckt sie im Schrank ein kleines Schmuckkästchen, dass Mephisto dort versteckt hat. Gretchens Mutter jedoch konfisziert den Schmuck. Gretchen: Wenn nur die Ohrring meine wären! Man sieht doch gleich ganz anders drein. Was hilft euch Schönheit, junges Blut? Das ist wohl alles schön und gut

Gartenhäuschen: Mephisto hat Gretchen ein weiteres, noch wertvolleres Schmuckkästchen zukommen lassen, dass sie bei der Nachbarin Marthe Schwertlein versteckt hält. Durch eine List verschafft Mephisto sich und Faust ein Stelldichein mit Gretchen und Marthe in deren Garten. Gretchen geht an Faust Arm, Mephisto und Marthe spazieren nebeneinander her. Die beiden ungleichen Paare sind ins Gespräch vertieft. Faust küßt Gretchens Hand. Gretchen erzählt ihm von der strengen Mutter, von dem Bruder, der Soldat ist und von der verstorbenen Schwester. Faust und Gretchen kommen einander näher, während Mephisto den Annäherungsversuchen Marthes kaum ausweichen kann. Faust und Gretchen gelangen in ausgelassener Stimmung an ein Gartenhaus. Dort eingetreten, küssen sie sich inniglich, bis Mephisto an die Tür klopft. Er mahnt zum Aufbruch. Gretchen: Du lieber Gott! Was so ein Mann Nicht alles, alles denken kann! Beschämt nur steh‘ ich vor ihm da Und sag‘ zu allen Sachen ja.

Marthens Garten: Nachdem sie voller Selbstzweifel sind, treffen sich die Liebenden im Garten der Nachbarin wieder. Gretchen hat eine Frage, die ihr auf der Seele brennt: Wie hast du‘s mit der Religion? Darauf antwortet Faust ausweichend, während sie bekennt, vor Mephisto Angst zu haben. Faust gibt ihr ein Fläschchen mit einem Schlafmittel für Gretchens Mutter, damit sie die Nacht ungestört zusammen verbringen können. Faust: Nenn‘s Glück! Herz! Liebe! Gott! Ich habe keinen Namen Dafür! Gefühl ist alles; Name ist Schall und Rauch

Nacht:  Diese Liebesnacht bleibt nicht ohne Folgen und Gretchen erwartet ein Kind, was ihr - da unverheiratet - große Qualen bereitet. Es ist Nacht. Auf der Straße vor Gretchens Tür steht ein Soldat. Es ist Valentin, ihr Bruder. Er spricht zu sich selbst. Valentin fühlt sich in seiner männlichen Ehre tief verletzt. Bisher hatte er vor seinen Kameraden das ehrsame Gretchen gepriesen. Und nun? Schnell wird klar: Valentin sinnt auf Rache. Der Verführer soll nicht lebendig von der Stelle. Da nahen zwei Gestalten. Es sind Faust und Mephisto. Mephisto erwähnt gerade die bevorstehende herrliche Walpurgisnacht und stimmt gleich darauf ein zynisches Lied über die Liebe an. Da tritt Valentin aus der Dunkelheit hervor. Wutschnaubend fordert er zum Duell. Mephisto ermutigt Faust zum Kampf und die Dinge nehmen ihren Lauf. Zwar fechten Faust und Valentin, doch der Teufel ist mit im Spiel. Valentin erkennt bald: Ich glaub, der Teufel ficht! Stoß zu, ruft Mephisto Faust zu und schon fallt Valentin zu Boden. Faust und Mephisto ergreifen schnell die Flucht. Gretchen, Marthe und einige Nachbarn eilen herbei. Mit den Worten Ich sag‘s dir im Vertrauen nur, du bist nun einmal eine Hur‘ stirbt Valentin. Valentin: Was kommt heran? Was schleicht herbei? Irr‘ ich nicht, es sind ihrer zwei. Ist er‘s, gleich pack‘ ich ihn beim Felle, Soll nicht lebendig von der Stelle!

Walpurgisnacht: Während Gretchen daran verzweifelt, ihre Mutter mit dem Schlafmittel getötet zu haben, auch für den Tod des Bruders verantwortlich zu sein und ein ungewolltes Kind zu erwarten, hat Mephisto Faust in den Harz zum Brocken geführt. Es ist die Nacht zum 1. Mai, es ist Walpurgisnacht. Vom Berg herunter hört man Stimmen. Die Hexen feiern ein euphorisches Fest mit Feuern, wilden Tänzen und orgiastischem Treiben. Faust läßt sich von all dem anstecken und tanzt mit einer wilden Hexe. Plötzlich hört er auf zu tanzen, denn er hat eine Vision: In der Ferne sieht er ein Gestalt, die ihn an Gretchen erinnert, entsetzt stellt er fest, sie hat die Augen einer Toten. Faust: Fürwahr, es sind die Augen eines Toten, Die eine liebende Hand nicht schloß. Das ist die Brust, die Gretchen mir geboten, Das ist der süße Leib, den ich genoß.

Nacht - offen Feld: Widerstrebend erklärt sich Mephisto bereit, Faust zu Gretchen zu führen. Die Zauberpferde stehen bereit. Gleich darauf reiten Faust und Mephisto auf schwarzen Pferden über das offene Feld. Faust: Was weben die dort um den Rabenstein? Mephisto: Weiß nicht, was sie kochen und schaffen. Faust: Schweben auf, schweben ab, neigen sich, beugen sich. Mephisto: Eine Hexenzunft

Kerker: Faust ist vor Gretchens Kerker angekommen. Er verschafft sich Zutritt, während Gretchen ihn für den Henker hält. Faust erkennt, das Gretchen wahnsinnig geworden ist. Endlich erkennt sie ihn und will ihn umarmen, er aber drängt zur Eile. Schließlich erscheint Mephisto und warnt vor den Wachen. Endlich verlassen beide ohne Gretchen den Kerker, während sie eine Stimme hören, die ihnen Heinrich, Heinrich hinterherruft. Gretchen: Dein bin ich, Vater! Rette mich! Ihr Engel! Ihr heiligen Scharen, Lagert euch umher, mich zu bewahren! Heinrich! Mir graut‘s vor dir

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