Kunstkontor Dr. Doris Möllers

Freundlich, Otto (Stolp/Pommern 1878 - 1943 wahrscheinlich auf dem Weg ins KZ Lublin-Maidanek)

Fünf Stationen zum Kreuzweg Christi

1. Station: Jesus wird dem römischen Statthalter Pontius Pilatus vorgeführt

2. Station: Jesus nimmt das Kreuz auf seine Schultern

5. Station: Simon von Zyrene hilft Jesus das Kreuz zu tragen

8. Station:  Jesus begegnet den weinenden Frauen

14. Station: Grablegung

Kreidezeichnungen und blauer Buntstift auf dünnem, transparentem Papier um 1923. Je ca. 21,5 : 27 cm. Aufmontiert auf Packpapier.

Provenienz: Sammlung Henry Poulaille, Paris; Privatsammlung Paris.

Werkverzeichnis: Heusinger von Waldegg 301-305.

Literatur: Tristan Rémy, Otto Freundlich. In: Maintenant N° 5 1947, S. 129 f. Stellenweise knittrig und gelegentlichen Randbeschädigungen.

Entwurf für Glasfenster einer Kölner Kirche.

Als Freundlich 1924 von Köln nach Paris zurückkehrte, gab er, um eine Aufenthaltsgenehmigung zu bekommen, als Beruf "Glasmaler" an. Die Entwürfe jener Zeit, von denen einige wenige zur Ausführung gelangten, sind für Freundlichs Entwicklung zur Abstraktion von großer Bedeutung. Zwar handelt es sich noch um figürliche Darstellungen, doch lösen sich die Details zugunsten sich gegenüberstehender Flächen auf. 1914 verbrachte Freundlich fünf Monate in Chartres, wo er ein Atelier im Nordturm der Kathedrale bezog und so das Bauwerk intensiv studieren konnte. "Ich war ca. fünf Monate der Welt in Chartres verfallen und bin für mein Leben ganz gezeichnet daraus hervorgegangen." Fast alle Glasfensterentwürfe, die er hier schuf, sind heute verschollen. Die Beschäftigung mit dem  Material Glas führte ihn zu der Flächenthematik, über die er schreibt: "Die innige Verbindung aller Flächen auf einem Bilde, von denen jede wie eine Zelle im Organismus die Kraft zu einer andern Zelle überleitet, sodaß es in dem ganzen Organismus nur einen ungehemmten Kreislauf dieser Kräfte gibt; dies konnte erst die Kollektion aller Farben auf einem Bilde verwirklichen."

Biographie:
Otto Freundlich wird 1878 im pommerschen Stolp als Sohn eines jüdischen Kaufmanns geboren. Das Studium der Kunstgeschichte,  Zahnmedizin und Philosophie bringt ihn nach Berlin und München, wo er u. a. Herwarth Walden, Kandinsky und Klee kennenlernt. Ab 1907 nimmt er Privatunterricht um als Bildhauer ausgebildet zu werden, 1908 geht er nach Paris, wo er u.a. Picasso, Braque und Delaunay begegnet. In den folgenden Jahren pendelt er zwischen München, Berlin und Paris. 1910 wird er Mitglied der Berliner Secession  sowie der Neuen Berliner Secession. Seit 1911 ist er mit Schmidt-Rottluff befreundet, über den er Rosa Schapire in Hamburg kennenlernt. Den Krieg erlebt er zunächst an der Westfront, dann als Sanitätssoldat in Köln und Trier, später in Berlin. Befreundet sich 1919 mit Karl Liebknechts Sohn Robert. Ab Mitte des Jahres ist er wieder in Köln und lernt die "Kölner Progressiven" und die rheinischen Dada-Künstler kennen. 1922 fertigt er sein erstes Glasfenster. 1924 Übersiedlung nach Paris, reist von dort immer wieder nach Köln. 1931 wird er Mitglied der Gruppe Abstraction-création um Vantogerloo und van Doesburg. Mit dem Tod von Franz Wilhelm Seiwert 1933 enden Freundlichs intensive Verbindungen nach Köln. Der Versuch einer Einbürgerung in Frankreich scheitert an den Kosten. Gründet 1935 das "Kollektiv Deutscher Künstler" in Paris, ein Zusammenschluß von Emigranten, zu denen Eugen Spiro, Max Ernst und Robert Liebknecht gehören. 1936 gründet er eine private Malschule, die wirtschaftlich erfolglos bleibt. 14 seiner Werke werden 1937 aus öffentlichen Sammlungen entfernt. Im September 1939 wird Freundlich als Deutscher interniert und im Februar 1940 entlassen. Erneut stellt er einen Einbürgerungsantrag und versucht in die USA auszureisen. Im Dezember 1942 versteckt er sich bei einer Bauernfamilie, wird jedoch im Februar 1943 denunziert und am 4. März nach Polen deportiert, wo er wahrscheinlich schon vor Erreichen des Konzentrationslagers in Sobidor stirbt, da sein Name auf keiner Liste geführt wird.

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