Kunstkontor Dr. Doris Möllers

Schneider-Kainer, Lene (Wien 1885 - 1971 Cochabamba/Bolivien)

Ohne Titel (Am Toilettentisch).

Kaltnadelradierung auf Zanders-Bütten, mit Bleistift signiert, um 1922. 34,5 : 29,5 cm auf 52,7 : 35,5 cm. Der Rand mit kleineren Altersspuren, stellenweise leicht knittrig und minimal gebräunt. Die reizvolle Radierung in einem sehr schönen, kontrastreichen Druck mit feinem Plattenton.

Provenienz: Privatsammlung Bayern.

VERKAUFT

Die jüdische Künstlerin wurde als Helene Schneider in Wien geboren. Vieles ist über ihr Leben nicht bekannt, obwohl sie im Berlin der zwanziger Jahre eine anerkannte Künstlerin war. Sie wohnte in München und Paris, wo sie vermutlich studierte und ihren Mann, den Münchner Arzt Ludwig Kainer (1885-1967) kennenlernte. Kainer wurde später auch Künstler. Das Paar heiratete 1910 in Ungarn und lebte ab 1912 in Berlin. Hier zählten u. a. Franz Werfel und Else Lasker-Schüler zu den Freunden. Um 1914/16 hat sich die Künstlerin in Holland aufgehalten. 1926 erfolgte die Scheidung mit ihrem Mann, im gleichen Jahr reiste sie nach Asien. Ende der zwanziger Jahre schloß Lene Schneider-Kainer sich dem Verein der Berliner Künstlerinnen an, 1931 erhielt sie den Rom-Preis der Villa Massimo. Seit 1932 lebte sie auf Ibiza, dort wurde 1936 ihr internationales Gästehaus von Bomben zerstört. Kurz vor ihrer Emigration in die USA hielt sie sich 1937 noch einmal in Berlin auf. Die Künstlerin lebte seit 1938 in New York und verdiente sich ihren Lebensunterhalt mit Stoff-Bilderbüchern, die sie in einem eigenen Verlag vertrieb. 1954 übersiedelte sie nach Bolivien, um dort mit ihrem Sohn eine Stofffabrik zu gründen. Hier starb sie 1971. (Quelle: Dahmen, Sabine, Leben und Werk der jüdischen Künstlerin Lene Schneider-Kainer im Berlin der 20er Jahre. Dortmund, Ebersbach, 1999).

Dahmen nennt in ihrem Werkverzeichnis neben drei ihr bekannten Radierungen eine Reihe von zehn weiteren, die im Verlag von Fritz Gurlitt erschienen waren. Hiervon wurden 25 auf Japan und je 50 auf Bütten gedruckt. Ein Format ist nicht bekannt. Es könnte sich hier um die  Position R 11 "Am Toilettentisch" handeln. Uns sind keine weiteren Exemplare bekannt.


Ohne Titel (Weiblicher Akt vor dem Spiegel).

Aquarellierte Kreidelithographie auf Japanbütten, mit Bleistift signiert, datiert und als " IV. Probedruck handkoloriert" bezeichnet, 1917. 43,7 : 34,5 cm (Blattformat). Provenienz: Privatsammlung Westfalen. Dahmen L 20.

Bis auf sehr geringe Altersspuren vorzüglich erhalten. Von allergrößter Seltenheit!


Ohne Titel (Weiblicher Akt am Bett).

Aquarellierte Kreidelithographie auf Japanbütten, mit Bleistift signiert und als "I. Probedruck" bezeichnet, um 1917. 43,7 : 34,5 cm (Blattformat). Provenienz: Privatsammlung Westfalen. Dahmen L 18.

Bis auf sehr geringe Altersspuren vorzüglich erhalten. Von allergrößter Seltenheit!


Ohne Titel (Drei weibliche Akte).

Aquarellierte Kreidelithographie auf Japanbütten, mit Bleistift signiert und als "Probedruck" bezeichnet, im Stein monogrammiert, um 1917. 43,5 : 34,8 cm (Blattformat). Provenienz: Privatsammlung Westfalen. Dahmen L 24.

Bis auf sehr geringe Altersspuren vorzüglich erhalten.Von allergrößter Seltenheit!


Amsterdam

Aquarellierte Lithographie auf Bütten, mit Bleistift signiert und numeriert, von fremder Hand bezeichnet, 1919. 41 : 48 cm auf 50,2 : 65 cm. Provenienz: Privatsammlung Westfalen. Am oberen Rand kleinere Einrisse und Knicke, sonst schön erhalten. Eins von XX handkolorierten Exemplaren (Gesamtauflage 60).  Aus der Mappe "Amsterdam. 12 Original-Lithographien", 16. Werk der Gurlitt-Presse. "Die Erkenntnisse, die sich dort [in Paris] ihr offenbarten, hat sie während eines dreijährigen Aufenthaltes in Holland, jenem Dorado der Lichtund Luftmaler, in Bilder umgesetzt, die ebenso wie ihre Lithographien mit demütig-ernster Hingabe an das Motiv alles schildern, was ihre Augen ersahen ... Helene Kainer liebt das prangende Leuchten der ungebrochenen Farben; die weiche Atmosphäre jedoch, die silberglitzernd alle Dinge umspielt, stellt zwischen den einzelnen, an sich vielleicht grellen Tönen stets eine dem kultivierten Auge schmeichelnde Harmonie her, niemals beleidigt chaotische Buntheit den Blick" (Das graphische Jahr. Gurlitt-Verlag Berlin 1921)."

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