Kunstkontor Dr. Doris Möllers

Richter, Klaus (1887 - Berlin - 1948)

Lukas 22, 48.

Kaltnadelradierung mit Aquatinta auf Maschinenbütten, mit Bleistift signiert, in der Platte betitelt, signiert und datiert, 1920. 19 : 24,5 cm auf 25,8 : 37,5 cm. Provenienz: Sammlung Siegbert Marzynski (später Marcy), Berlin/Beverly Hills (verso mit Sammlungsstempel; nicht bei Lugt). Dargestellt ist der verräterische Judaskuss innerhalb der Passion nach dem Lukasevangelium Kapitel 22, Vers 48: „(47) Da er aber noch redete, siehe, da kam die Schar; und einer von den Zwölfen, genannt Judas, ging vor ihnen her und nahte sich zu Jesu, ihn zu küssen. (48) Jesus aber sprach zu ihm: Judas, verrätst du des Menschen Sohn mit einem Kuß? (49) Da aber sahen, die um ihn waren, was da werden wollte, sprachen sie zu ihm: Herr, sollen wir mit dem Schwert drein schlagen?...
Möglicherweise stammt das Blatt aus einem Zyklus, unten links trägt es in Bleistift die Nummer „9“.

Klaus Richter war ein äußerst vielseitig interessierter Künstler. Zunächst studierte er in Königsberg, Freiburg und Berlin Jura, Mathematik und Philosophie, dann anatomisches Zeichnen bei seinem Onkel Robert Richter in Paris. In Berlin besuchte er den Unterricht von Lovis Corinth, wo er Magnus Zeller (Biesenrode 1888 - 1972 Berlin) kennenlernte, mit dem er sich ab 1911 ein Atelier teilte. Gemeinsam verbrachten die Künstler 1912 ein Jahr in Paris. Wie Zeller zeigt Richter spätestens nach dem Ersten Weltkrieg (den er als Soldat in Frankreich, auf dem Balkan und in Russland verbrachte) einen Hang zu einer dämonischen Expressivität. Ebenfalls 1911 trat Richter der Berliner Secession bei. Richter betätigte sich als Schauspieler auf Provinzbühnen, bis er eine Berufung als Beirat der Berliner Volksbühne bekam, für die er Dekorationen schuf. Nachdem er ab 1919 an der Kunstgewerbeschule in Berlin-Charlottenburg unterrichtet hatte, wurde er 1922 als Professor für Porträtmalerei an die Kunstakademie Königsberg berufen und lehrte an der dortigen Universität gleichzeitig Theaterwissenschaften. Vier Jahre später wechselte er als Professor an die Berliner Hochschule für Bildende Künste und trat dem Verein Berliner Künstler bei. Richter war auch schriftstellerisch tätig, so publizierte er 1920 „Das Buch des Menschen. Eine künstlerische Anatomie“. Anfang der 1930er Jahre hielt er zudem im Berliner Radio kunsthistorische Vorträge. Posthume Schlagzeilen machte 1966 sein heimlich gemaltes Porträtgemälde Adolf Hitlers von 1941, das dessen geistige Verwirrung entlarvt.

Siegbert Marzynski  (später Marcy) (Berlin 1892 - 1969 Beverly Hills) war jüdischer Textilkaufmann und u. a. mit Corinth und Liebermann befreundet. Er hatte zunächst Kunstgeschichte bei Heinrich Wölfflin in Berlin studiert, bevor er das väterliche Geschäft übernahm. Durch häufige Besuche der Pariser Unternehmensfiliale freundete er sich mit Paul Signac, Maurice de Vlaminck und Maurice Utrillo an.  Als Mitglied des Ehrenausschusses, zudem u.a. Alfred Flechtheim, Max Liebermann, Karl Scheffler, Max Slevogt und Justin Thannhauser gehörten, unterstützte er 1931 eine Benefizauktion für junge Künstler bei Paul Graupe in Berlin. 1941 emigrierte er in die USA, wo er Teile seiner umfangreichen Sammlung der National Gallery in Washington vermachte.


Lukas 24, 30-31.

Kaltnadelradierung mit Aquatinta auf Maschinenbütten, mit Bleistift signiert und unleserlich bezeichet, in der Platte betitelt, signiert und datiert, 1919. 19 : 18,3 cm auf 37,5 : 25,7 cm.
Provenienz: Sammlung Siegbert Marzynski (später Marcy), Berlin/Beverly Hills (verso mit Sammlungsstempel; nicht bei Lugt). Dargestellt sind Vers 30 und 31 aus dem Lukasevangelium Kapitel 24: „...(29) Und sie nötigten ihn und sprachen: Bleibe bei uns; denn es will Abend werden, und der Tag hat sich geneigt. Und er ging hinein, bei ihnen zu bleiben. (30) Und es geschah, da er mit ihnen zu Tische saß, nahm er das Brot, dankte, brach‘s und gab‘s ihnen. (31) Da wurden ihre Augen geöffnet, und sie erkannten ihn. Und er verschwand vor ihnen....“
Möglicherweise stammt das Blatt aus einem Zyklus, unten links trägt es in Bleistift die Nummer „8“.


Hochzeitsmahl Rosi Marzynski - Fritz Jaffé.

Kaltnadelradierung auf Bütten, mit Bleistift signiert und als Probe(druck) bezeichnet, in der Platte bezeichnet, 1921. 14,8 : 10,7 cm auf 24 : 16,3 cm.
Provenienz: Sammlung Siegbert Marzynski (später Marcy), Berlin/Beverly Hills (verso mit Sammlungsstempel; nicht bei Lugt). Verso Montierungsreste.
Rosi Marzynski (Berlin 1899 - 1991 New York) war die Schwester des Sammlers Siegbert Marzysnki. Als Speisefolge ist abgedruckt: Schwedisches Vorgericht;  Holländisches Lendenstück; Prager Zunge; Geflügelcremesuppe; Spargel, Schoten, feines Gemüse; Schleiforelle, blau; Junge Mastpute gef. mit Trüffelpurrée; Salate; Speise Gefrorenes; Café.
Zu sehen ist oben eine große Hochzeitsgesellschaft rund um eine Tafel, flankiert von Musikern und unten eine Kutsche, auf das aus dem Haus kommende Brautpaar wartet, gesäumt von winkenden Personen.
Das Jüdische Museum Berlin besitzt einen auf 60 Exemplare nummerierten Abzug dieses Blattes.
DAZU: „Geschenke, Toasts etc. bitte beim Brautbruder anmelden!“. Kaltnadelradierung auf Bütten, mit Bleistift signiert und als Probe(druck) bezeichnet, in der Platte bezeichnet, (1921). 5 : 7 cm auf 12,2 : 16,2 cm. Provenienz: Sammlung Siegbert Marzynski (später Marcy), Berlin/Beverly Hills (verso mit zweifachem Sammlungsstempel; nicht bei Lugt). Verso Montierungsreste.

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