Kunstkontor Dr. Doris Möllers

Hubbuch, Karl (1891 Karlsruhe 1979)

Nicht mal ne Viertelstunde hat man Zeit zum Fressen!

Rohrfederzeichnung in schwarz und rot über Bleistift auf leicht rauhem Papier, mit Bleistift sginiert, verso mit Bleistift signiert, datiert und betitelt: "Karl Hubbuch Karlsruhe >Nicht mal ne Viertelstunde hat man Zeit zum Fressen< Rohrfeder und farbige Tusche 48/48 sig. 1929", 1929. 47,8 : 47,7 cm.
Stellenweise kleine Braunfleckchen. Verso Montierungsreste.
Provenienz: Vom Vorbesitzer 1986 von der Witwe des Künstlers erworben.
Ausstellung: Karl Hubbuch 1891 - 1979. Badischer Kunstverein Karlsruhe 1981. Kat.Nr. 261 (mit ganzseitiger Abbildung; datiert auf 1930).
Erste Fassung vor der gleichnamigen Zeichnung, die 1931 in der Mappe "La France" im Eigenverlags Hubbuchs veröffentlicht wurde. Eine weitere Variante befindet sich in der Städtischen Galerie Karlsruhe.

"Hafenarbeiter und -angestellte hetzen zur Mittagspause, im Gegensatz zur müßiggängerischen Glitzerwelt der Filmschönheiten, die sich im >Elysium< befinden, >Nicht mal ne Viertelstunde hat man Zeit zum Fressen!< Scheinwelt und Alltag [...] Darüber hinaus ist das Blatt wiederum eine ironische Variante des klassischen Themas der 20er Jahre vom >Oben> und >Unten< in der Gesellschaft." (Karl Hubbuch. Retrospektive. Städtische Galerie im PrinzMaxPalais Karlsruhe 1993/94. S. 98).


Unsere Zeichnung gehört zu den kritisch-satirischen Blättern, auf denen Hubbuch Klassenunterschiede anprangert, was sich schon im Titel wiederspiegelt. Große Werbeplakate künden von einer glamourösen Gesellschaft, während die Schichtarbeiter davon keine Notiz nehmen können, da sie eine viel zu kurze Pause haben.


Ende der 1920er Jahre löste die Federzeichnung die Lithokreide im Werk Hubbuchs ab. Sein Strich wurde heftiger, großzügiger und lockerer und verlor die "veristische Schärfe". Dadurch wurde er in die Lage versetzt, Menschen in Bewegung zu zeigen, was er besonders anläßlich seiner Frankreichreisen zwischen 1928 und 1930 in spontanen Schilderungen tat. So entstanden einige "seiner schönsten Zeichnungen" (Katalog Badischer  Kunstverein), die er für die Mappe "La France" weiter ausführt und die in bis in die 1950/60er Jahre begleiten.

Zeichnungen wie diese bilden einen Hauptkomplex dieser Schaffensphase, sie sind alle in Feder gezeichnet und stehen für seinen neuen, flüssigen Stil. Vereint werden sie in "La France", in dem der Künstler 40 Zeichnungen ausgewählt hat. "La France ist gewissenmaßen die Summe von Hubbuchs Auseinandersetzung mit Frankreich und den Franzosen, die Summer aber auch seines gegen Ende der 1920er Jahre ausgeprägten humanistischen Menschenbildes" (Karl Hubbuch. Katalog der Ausstellung im Badischen Kunstverein Karlsruhe 1981, S. 27).


Bei den Pariser Markthallen

(Verso fragmentarische Pflanzenstudien in Bleistift und Aquarell aus den 1940er Jahren). Rohrfederzeichnung, teils laviert, mit Deckweiß über Bleistift auf Karton (wie häufig unten mehrfach angestückelt), mit Bleistift signiert, verso mit Bleistift datiert und betitelt, 1960. 45 : 55 cm.
Verso Montierungsreste.
Provenienz: Vom Vorbesitzer 1986 von der Witwe des Künstlers erworben.

Eine von drei uns bekannten Fassungen (Privatbesitz, abgebildet u. a. in Karl Hubbuch. Retrospektive. Städtische Galerie im PrinzMaxPalais Karlsruhe 1993/94. S. 79; Centre Pompidou, Paris, abgebildet in Karl Hubbuch. Retrospektive. Städtische Galerie im PrinzMaxPalais Karlsruhe 1993/94. S.396.)

Das Spätwerk Hubbuchs wurde hauptsächlich in den 1950/60er Jahren geschaffen und zeigt eine intensive Beschäftigung mit Max Beckmann. Wieder kommt die Federzeichnung mit ihrem spontanen, kräftigen Strich zum Einsatz. Hubbuch schließt an die Frankreichzeichnungen der Vorkriegszeit an und führt, besonders seit seiner Pensionierung 1957, hier seine Studien als "Sozialphysiognomiker" weiter. Auch diesmal münden die für ihn wichtigsten Erträge in einem Mappenwerk "Die Hauptstadt", das 1970 mit 55 Zeichnungen erscheint und auch eine Variante dieser Zeichnung , diesmal "Die Metzger" betitelt, beinhaltet.


"... manche dieser Zeichnungen, wie die Zeichnung mit den Metzgern der Pariser Hallen, gehören zu den schönsten und wichtigsten des Gesamtwerkes." (Karl Hubbuch. Katalog der Ausstellung im Badischen Kunstverein 1981. S. 34).


Dieu le veut.

Aquarell mit Rohrfederzeichnung über Bleistift auf Bütten, stempelsigniert, verso mit Bleistift betitelt und datiert, 1963. 51,5 : 70,7 cm.
Verso Montierungsreste.
Provenienz: Vom Vorbesitzer 1986 von der Witwe des Künstlers erworben.

Eindrucksvoll expressives und großformatiges Aquarell.

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