Kunstkontor Dr. Doris Möllers

Schülein, Julius Wolfgang (München 1881 - 1970 New York)

Ohne Titel (Ruderer).

Kaltnadelradierung auf Bütten, mit Bleistift signiert, um 1920. 14,8 : 18,2 cm auf 25,5 : 31,6 cm. Provenienz: Privatsammlung Westfalen. Der untere Rand etwas unregelmäßig, sehr leichte Altersspuren.

Schülein hatte zunächst Jura studiert, bevor er die Heymann-Schule besuchte und ab 1904 bei Hugo von Habermann an der Münchner Akademie zum Maler ausgebildet wurde. Seit 1908 reiste er regelmäßig nach Paris, wo er auch seine spätere Frau Suzanne Carvallo kennenlernte. 1913 war er Mitbegründer der Neuen Sezession. Schülein notiert: „ Die erste Umwälzung in München kam mit der Gründung der Secession, die die Historien- und Genremalerei über Bord warf und in der Hauptsache einen geistlosen Naturalismus pflegte. (…) Und ich war dabei, als 1913 die >Neue Secession< gegründet wurde. Das war eine sympathische Vereinigung einer kleinen Zahl von Künstlern, die, wenn einmal aufgenommen, jurylos 5 bis 6 Bilder, nebeneinander gehängt, zeigen konnten. Erster Präsident war Weisgerber, der in Paris wirkliche Kunst und die Künstler des >Café du Dôme< gesehen hatte. Als die Neue Secession einmal im Kunstverein ausstellte, erregten die Bilder, die man heute fast alle als sehr konservativ bezeichnen würde, bei den braven bürgerlichen Mitgliedern des Kunstvereins einen Sturm der Entrüstung und man schreibt, die Maler hätten sich selbst anstatt ihrer Bilder aufhängen sollen. Was in Paris Grosses geschaffen wurde, blieb den meisten Münchener Maler unbekannt und als schon mancher der grossen Impressionisten gestorben waren, hatte man in der >Kunststadt< München noch keines ihrer Werke gesehen. (…) Die neue Sezession zeigte Franz Mark (sic), man sah, meist bei Thannhaeuser, zum ersten Male Van Gogh, Manet und die ganzen Impressionisten, man sah die italienischen Futuristen, den Norweger Munk (sic)“.

Den Ersten Weltkrieg verbrachte Schülein als Zivilist in den Bayerischen Alpen. 1930 übersiedelte er nach Berlin, im April 1933 erfolgte die Auswanderung nach Frankreich. In der Bretagne wurde er 1939 als „feindlicher Ausländer“ festgenommen und mehrfach interniert. Er schreibt in sein Tagebuch: „Wie kann ich jetzt die Ängste eines Unschuldigen vorstellen, für den, geraten in das Netz der Justiz, jedes Mißverständnis, jeder Zufall Beweis seines Verbrechens werden kann! Wie soll ich beweisen, daß ich in diesem Kampfe so völlig auf Seiten Frankreichs stehe? In Deutschland verfolgt als Fremdling und Feind, hier verdächtigt als Deutscher, als Feind, welch ein Schicksal!“. Dem tödliche Unheil der Deportation als Jude in ein Konzentrationslager konnten Schülein und seine Familie im Dezember 1941 dank seines Cousins entgehen. Dieser war ehemaliger Generaldirektor der Münchner Löwenbräu und schon 1936 in die USA übersiedelt. Dort wurde er Brauerei-Manager und konnte so eine Bürgschaft und das für die Ausreise benötigte Geld zur Verfügung stellen.

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