Kunstkontor Dr. Doris Möllers

Nolde, Emil (Nolde/Nordschleswig 1867 - 1956 Seebüll)

Jestri.

Holzschnitt auf festem Bütten, mit Bleistift signiert, am unteren Rand betitelt, 1917. 30,7 x 23,5 cm auf 44 x 34 cm.
Schiefler/Mosel H 149.
Möglicherweise vor der Auflage von 12 Exemplaren. Bis auf einen leichten Lichtrand im ehemaligen Passepartout-Ausschnitt sehr schön erhalten.
Provenienz: Privatsammlung Rheinland-Pfalz.
Ausgezeichneter, prachtvoller Frühdruck (Reiberdruck) in tiefem, sattem Schwarz, mit vielfach mitdruckendem Stockgrund und deutlicher Reliefprägung der Langholzmaserung.
Ein Reiberdruck ist eine ohne Verwendung einer Druckerpresse hergestellter Abzug eines Holz- oder Metallschnittes. Das angefeuchtete Papier wird auf den Druckstock gelegt und mit Hilfe eines Reibers angerieben. Früher wurden als Reiber mit Tierhaaren gefüllte Ledersäckchen verwendet. Benutzt man Bürsten als Reiber, spricht man vom Bürstendruck.

Gustav Schiefler schreibt: "Selbst im Holzschnitt, der - wegen der Scharfkantigkeit seiner Flächen und Linien - die >zeichnerischste< der graphischen Techniken genannt werden kann, setzt sich jener Wille zum Malerischen durch. Wie gelegentlich in den frühen Blättern eine Art Blinddruck von Teilen des Stockes, die nicht mit Farbe eingerieben wurden, der Papierfläche ein feines Spiel von Licht und Schatten mitteilte, das durchaus im Sinne einer malerischen Wirkung lag, so werden jetzt vielfach die breiten Flecken und die derben Linien der Zeichnung nach und nach immer mehr aufgelöst, so daß eine merkwürdig schwingende Beweglichkeit des Eindrucks entsteht, die fast die Illusion von Farbigkeit erwecken können." (Schiefler, Gustav, Vorwort zu Band 2 des Werkverzeichnisses >Das graphische Werk von Emil Nolde<, Berlin, Euphorion-Verlag, 1926/27.) 1917 erkrankte Noldes Frau Ada schwer. Dennoch schuf er in dieser Zeit allein 23 Holzschnitte.

Nach Auskunft von Frau Dr. Becker von der Nolde Stiftung Sebüll ist die Dargestellte nach aktuellem Forschungsstand derzeit nicht identifizierbar, was für etliche seiner Porträts gilt. Hierzu führt Schiefler aus: "Diese Phantastik der Einbildungskraft treibt ihr - ich möchte fast sagen: koboldhaftes Wesen auch in den Bildnissen. Porträts im eigentlichen Sinne exakter naturwahrer Ähnlichkeit kommen kaum vor (...) Sonst überwiegt die subjektive Ausdeutung des Künstlers so sehr, daß man von charakteristischen Paraphrasen einzelner ihn besonders interessierender Wesenszüge sprechen möchte. (...) Dies ist der Weg, welcher den Künstler vom Modell, vom Porträt weg zur Schaffung des Typus führt."

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