Kunstkontor Dr. Doris Möllers

Nauen, Heinrich (Krefeld 1880 - 1940 Kalkar)

Ohne Titel (Im Park von Schloß Dilborn).

Kaltnadelradierung mit Aquatinta auf festem Bütten, mit Bleistift signiert, um 1920. 33,8 : 46,8 cm auf 49,5 : 65,7 cm. Provenienz: Sammlung Siegbert Marzynski (später Marcy), Berlin/Beverly Hills (verso mit Sammlungsstempel; nicht bei Lugt). Am breiten Rand sehr leichte Knicke, in der Platte wenige kleine Fleckchen. Wohl Zustandsdruck vor der weiteren Bearbeitung mit Aquatinta. Satter, gratiger Abzug dieses großen, imposanten und seltenen Blattes. 

Dilborn ist eine Wasserburg in der Nähe von Brüggen am Niederrhein, die Nauen mit seiner Frau, der Künstlerin Marie von Malachowski von 1911 bis 1931 bewohnte und wo sie viele Künstlerfreunde besuchten, darunter Heinrich Campendonk, Erich Heckel, Franz Marc, Helmuth u. August Macke. Nauen schrieb 1911 an seinen Förderer Walter Kaesbach, daß er nun "für 3 Jahre ... vorläufig glücklicher Besitzer von Dilborn" ist. "Was das heißt, kann ich Ihnen schwer mit Worten schildern, wüßten Sie es, so machten Sie jetzt einen Freundensprung, daß die Glasscherben Ihres Atelierfensters die Brückenallee bestreuten. Jeder christliche oder heidnische Gott ist ein Bettelknabe gegen mich, ich wohne nun in der für mich denkbar schönsten Landschaft, hab einen Park, hab Wasser, Wiesen, Felder, Bruch und Heide u. dann dieser ganz einzig schöne Buchenhochwald...". 

Siegfried Marzynski, gemalt von Max Liebermann 1922

Siegbert Marzynski  (später Marcy) (Berlin 1892 - 1969 Beverly Hills) war jüdischer Textilkaufmann und u. a. mit Corinth und Liebermann befreundet. Er hatte zunächst Kunstgeschichte bei Heinrich Wölfflin in Berlin studiert, bevor er das väterliche Geschäft übernahm. Durch häufige Besuche der Pariser Unternehmensfiliale freundete er sich mit Paul Signac, Maurice de Vlaminck und Maurice Utrillo an.  Als Mitglied des Ehrenausschusses, zudem u.a. Alfred Flechtheim, Max Liebermann, Karl Scheffler, Max Slevogt und Justin Thannhauser gehörten, unterstützte er 1931 eine Benefizauktion für junge Künstler bei Paul Graupe in Berlin. 1941 emigrierte er in die USA, wo er Teile seiner Sammlung der National Gallery in Washington vermachte.

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