Kunstkontor Dr. Doris Möllers

Baluschek, Hans (Breslau 1870 - 1935 Berlin)

Wartesaal IV.

Kreidelithographie auf Kupferdruckkarton, mit Bleistift signiert, betitelt und bezeichnet, im Stein signiert, 1925-27. 25 : 17,8 cm auf 39,2 : 29,5 cm.

Provenienz: Privatbesitz Norddeutschland. Nur sehr geringe Altersspuren.

Blatt 19 aus der zweiten (von drei) Mappe "Volk". Die Mappen behandeln ausführlich die Lebensbedingungen der einfachen Leute in der Großstadt. Anders als themenverwandte Werke der Kollwitz, die ihre Darstellung auf das Nötigste reduziert, schildert Baluschek bis ins kleinste Detail der "Wunden der Gesellschaft" (Margrit Bröhan). Die 4. Klasse (auch Stehklasse) genannt, wurde von der Reichsbahn 1928 abgeschafft. Zuvor erfuhr sie immer größere Beliebtheit, besonders bei der Landbevölkerung, da der Kilometer nur 2 Reichspfennige kostete, in jeder höheren Klasse wurden jeweils 2 Reichspfennige mehr genommen.

VERKAUFT

Eisenbahnidyll.

Kreidelithographie auf Kupferdruckkarton, mit Bleistift signiert, betitelt und bezeichnet, im Stein signiert, 1925. 25 : 17,8 cm auf 37,8 : 27,5 cm. Provenienz: Privatsammlung Hamburg. Sehr schön erhalten. Blatt 12 aus der ersten (von drei) Mappe "Volk". Baluscheks Vater war Eisenbahningenieur, der seinen Sohn oft mit zu den Zügen nahm. Hier durfte er in die Loks klettern und setzte sich begeistert mit der Technik auseinander.


Der Strassensänger.

verkauft

Kreidelithographie auf Kupferdruckkarton, mit Bleistift signiert, betitelt und bezeichnet, im Stein signiert, 1926. 25 : 17,8 cm auf 37,9 : 27,8 cm. Provenienz: Privatsammlung Hamburg. Sehr schön erhalten. Blatt 13 aus der zweiten (von drei) Mappe "Volk". Die Mappen behandeln ausführlich die Lebensbedingungen der einfachen Leute in der Großstadt.


Arbeiterjugend.

Kreidelithographie auf Kupferdruckkarton, mit Bleistift signiert, betitelt und bezeichnet, im Stein signiert, 1925. 25 : 17,8 cm auf 37,9 : 27,5 cm. Provenienz: Privatsammlung Hamburg. Sehr schön erhalten. Blatt 20 aus der ersten (von drei) Mappe "Volk".


In der Wärmehalle.

Kreidelithographie auf Kupferdruckkarton, mit Bleistift signiert, betitelt und bezeichnet, im Stein signiert, 1926. 25 : 17,8 cm auf 37,8 : 27,7 cm. Provenienz: Privatsammlung Hamburg. Nur sehr geringfügige Altersspuren am Rand, sonst sehr schön erhalten. Blatt 10 aus der dritten (von drei) Mappe "Volk". Die Mappen behandeln ausführlich die Lebensbedingungen der einfachen Leute in der Großstadt.
Seit Anwachsen der Großstädte mit der Reichsgründung errichtete man hier Wärmehallen für Obdach- und Arbeitslosen, aber auch „verschämte Arme“ („Leute, welche unverschuldet in dürftige Verhältnisse gerathen sind und trotz ihrer  Unterstützungsbedürftigkeit öffentliche Unterstützung anzusprechen, wegen ihres Standes oder ihrer sonstigen Verhältnisse, sich schämen.“ Pierer's Universal-Lexikon, Band 18. Altenburg 1864, S. 511-512).  Hier konnte man sich tagsüber aufwärmen und oft auch zu Trinken und Essen bekommen. 1927 gab es ca. 60 Einrichtungen dieser Art in Berlin.


Arme Familie.

verkauft

Kreidelithographie auf Kupferdruckkarton, mit Bleistift signiert, betitelt und bezeichnet, im Stein signiert, 1926. 25 : 17,8 cm auf 38 : 27,6 cm. Provenienz: Privatsammlung Hamburg. Sehr schön erhalten. Blatt 20 aus der dritten (von drei) Mappe "Volk".

Hans Baluschek war einer der bedeutendsten sozial engagierten Berliner Maler zwischen Kaiserreich und Nazi-Diktatur. Er war Mitglied der Vereinigung der XI sowie seit 1899 der Berliner Secession. 1895 fand seine erste Einzelausstellung in der Galerie Gurlitt, Berlin statt, der 1896, 1897 und 1913 weitere folgten. Nach Ende des Krieges wurde er SPD-Mitglied und Mitbegründer der Volkshochschule Groß-Berlin sowie der Unterstützungskasse Berliner Künstler. Anläßlich seines 50. Geburtstages fand 1920 eine große Ausstellung im Künstlerhaus in der Bellevuestraße statt, ebenso zu seinem 60. Geburtstag mit 175 (!) Werken. 1924 war er Vorsitzender der Großen Berliner Kunstausstellung sowie von 1929 bis 1933 erster Vorsitzender des Kartells der vereinigten Verbände bildender Künstler Berlins. Sein letzter graphischer Zyklus war „Volk“, in dem er noch einmal die Idee eines „Bilderbuchs des sozialen Lebens“ aufgriff. Die Blätter der Mappen - jedes ein graphisches Meisterwerk - erzählen von der „Kleine-Leute-Welt“ des Künstlers, sie enthalten „das Credo seines Künstlertums“ (Margrit Bröhan).
1933 diffamierte man ihn als marxistischen Künstler, der kulturpolitisch unzuverlässig sei, worauf er alle Ämter niederlegte und sich aus der Öffentlichkeit zurück zog. 
Baluschek stieß schon früh auf die Welt der Technik in Form von Eisenbahnen, Fabriken oder Brücken. „Im Hause des Vaters, des Eisenbahnunternehmers, gings tagaus, tagein um Eisenbahndinge. Den Jungen interessierte es. Bald wurde die Eisenbahn seine Liebe. Auf dem Bahnhof bewunderte er die Lokomotiven, die damals so viel bunter aussahen als heute, freute er sich an ihrem lärmenden Leben, beobachtete er die verschiedenen Wagenarten, die Signale, Schienen, Weichen (…)“ (E. E. Wille, Der Maler Hans Baluschek und Schlesien. In: Schlesische Monatshefte, Breslau 1932, Heft 7, S, 238).

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