Kunstkontor Dr. Doris Möllers

Macke, August (Meschede 1887 - 1914 bei Perthes-les-Hurlus/Champagne)

Katze

Farbkreide und Kohle auf Velin 1912. 21 : 27 cm. Provenienz: Nachlaß August Macke; Galerie Günther Franke, München; Erbengemeinschaft August Macke; Privatsammlung Rheinland. Werkverzeichnis: Heiderich 1413. Hervorragend erhalten.

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Die Katze ist neben Pferden das Tiermotiv des Expressionismus, gilt sie hier als das Unschuldswesen. Sowohl Macke als auch Franz Marc besaßen selbst Katzen, deren typische Bewegungen sie gleichsam am lebenden Modell studieren konnten. Unsere im kühnen und schnellen Strich erfaßte Zeichnung zeigt Einflüße japanischer Kunst, die Macke seit seinen Studienjahren in Düsseldorf fasziniert hat. Die Darstellungsweise ist aperspektivisch, zumal der Künstler  gänzlich auf  Schattenmodellierung verzichtet, ebenso auf jegliche räumliche Komposition. Vielleicht hat die Zeichnung als prima idea für einen Keramikdekor oder ein Stickmuster gedient, denn 1912 war das Jahr, indem sich Macke Keramikentwürfen zuwandte.

Studie: Ritter zu Pferde

nach Sandro Botticelli >Die Auffindung von Holofernes' Leichnam<, Uffizien, Florenz, Inv.-Nr. 1478, 1910. 7,9 : 10,8 cm.
Werkverzeichnis: Heiderich 596.
Provenienz: Norddeutsche Privatsammlung; vom Vorbesitzer 1986 in der Galerie Utermann, Dortmund erworben.
Literatur:
"August Macke zum 100. Geburtstag". Katalog der Galerie Utermann, Dortmund 1986. Kat.-Nr. 57, mit Farbabbildung.

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Zu Beginn des Jahres 1910 setzte sich Macke in seinem Skizzenbuch Nr. 31 mit Bildern Botticellis auseinander.
Heiderich vermutet als Vorlage die Publikation von Ernst Steinmann über Botticelli von 1897, die in der populären Reihe "Künstler-Monographien" bei Velhagen & Klasing erschienen war, denn alle Werke Botticellis, die Macke paraphrasierte, sind in diesem Buch abgebildet. Während seines Aufenthaltes am Tegernsee fand Macke Zeit und Ruhe, sich mit der Kunst alter Meister auseinanderzusetzen. "Die Kopfstudien nach Giotto und Botticelli zeigen ihn fasziniert von der Grazie der Haltung, der leichten Melancholie im Ausdruck der geneigten Köpfe. Dieser melancholische Charme geht auch von den Figuren in den reifen Bildkompositionen Mackes aus, auch dort überwiegen gesenkte Profile, gegen die Schulter geneigte Köpfe und abgewandte Gesichter." (Heiderich, Ursula, August Macke. Zeichnungen. Werkverzeichnis. Stuttgart 1993. S. 34).


Sandro Botticelli, Holofernes wird tot aufgefunden, um 1472

Christa, Elisabeth, Bernhard am Tisch. Verso: Geburtstagstisch für Sofie Gerhardt.

Bleistiftzeichnungen auf Bütten 1908. 22,7 : 20.2 cm. Beidseitiger Nachlaßstempel (Lugt 1775 b), verso handschriftlich in Bleistift beziffert BZ 29/17.
Heiderich Z 277 und 277 a.
Provenienz: Privatsammlung Rheinland.

 

Auf der Vorderseite sehen wir Christa Gerecke, Elisabeth Gerhardt und Bernhard Koehler jun. an einem Wohnzimmertisch sitzend, die beiden Frauen wohl in die Lektüre eines Briefes oder Ähnlichem vertieft. Unter dem Tisch bewegt sich ein Hund aus dem rechten Bildrand heraus.

Elisabeth hatte Christa Gerecke aus Bremen 1905 in Bern im Haus der Familie Moilliet (deren Sohn Louis 1914 mit Klee und Macke nach Tunesien reiste) kennengelernt. Hier wurden junge Mädchen durch Erziehung und Ausbildung in einem kleinen Kreis auf ihre Zukunft vorbereitet. Christa war ihre Zimmernachbarin und wurde als Adoptivkind und aufgrund ihrer abweisenden Art oft ungerecht behandelt, von Elisabeth aber freundschaftlich unterstützt. Sie wurde Nonne und war u. a. im Berliner Virchow-Krankenhaus tätig.  

Elisabeth Gerhardt (1888 - 1978), seit 1909 Ehefrau von August Macke und ab 1916 von Lothar Erdmann, war DAS Modell des Künstlers. Er schuf über 200 Porträts von ihr, sie treten in allen Techniken und kompositorischen Varianten auf. Zwar ist auch in dieser Zeichnung alles stark reduziert, doch erkennt man dennoch sofort an den dunklen Haaren und dem feinen Profil den „Typus Elisabeth“. Im Gegensatz zu den beiden anderen Personen gilt ihrer Physiognomie größere Aufmerksamkeit.

Bernhard Koehler jr. (1882 - 1964) war der Cousin von Elisabeth und zeigte sich wie sein Vater kunstbegeistert. So brachte er ihn mit Franz Marc und seinem Werk in Kontakt. Nach dem Tod Bernhard Koehlers sen. (1849 - 1927) erbte er dessen imposante Kunstsammlung, die in großen Teilen im Zweiten Weltkrieg vernichtet wurde.


Elisabeths Vater Carl war im Oktober 1907 verstorben. Im Januar 1908 reiste seine Witwe Sofie mit Tochter Elisabeth nach Berlin, um eine Einladung ihres Bruders anzunehmen. August kam täglich zu Besuch und man genoss das familiäre Zusammensein ebenso wie die Erkundigung der Großstadt.

Auf der Rückseite sehen wir einen Beistelltisch mit mehreren Blumenvasen, in denen sich u. a. Tulpen und Hyazinthen befinden. Sofie Gerhardt, geborene Koehler (1855 - 1947) hatte am 18. Februar Geburtstag, wodurch sich die Entstehungszeit der beiden Zeichnung recht genau bestimmen läßt.

Macke war von Oktober 1907 bis März 1908 nach Berlin gereist, um hier seine Studien in der Abendklasse von Lovis Corinth fortzusetzen. Er schrieb im November 1907 an Elisabeth: „Corinth hat heute zum ersten Mal korrigiert. Er meinte, über die Hauptsächlichkeiten der Zeichnung wäre ich wohl weg. Ich müßte hauptsächlich auf Charakteristik sehen. Ich war ziemlich verstimmt, als er weg war. Er hat, glaube ich gar kein Stilgefühl…“ Etwa zwei Wochen später äußert sich Macke etwas versöhnlicher: „Er scheint sich mächtig dafür zu interessieren, mir was beibringen zu wollen. Gestern hat mich dreimal korrigiert. Glänzend, sage ich Dir. Grob ist der dabei furchtbar. Aber was er sagt, da hat man von.“

Zugleich zeichnete und skizzierte Macke alles, was er bei Streifzügen durch die Stadt, aber auch im Privaten für typisch hielt. Dieses schulte seinen Blick für das Signifikante einer Situation oder eines Momentes, durch den er sich auf das Erfassen des Elementaren konzentrierte. Charakteristisch dabei ist der teils stark betonte Einsatz der Linie als Kontur und der weichen, teils gewischten Flächenmodellierung. Das meisterhafte Ausschöpfen aller technischen Möglichkeiten der Zeichnung wird ihn zeitlebens beschäftigen.

„Durch die gesamte Schaffenszeit Mackes hindurch ist die Zeichnung vor allem dies: eine spontane und vitale künstlerische Äußerung als Reaktion auf die sinnliche Wahrnehmung.“ (Ursula Heiderich)



August Macke und Elisabeth Gerhardt 1908

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