Kunstkontor Dr. Doris Möllers

Winkler, Wilhelm (Heidelberg 1882 - 1964 Karlsruhe)

Der Markplatz mit Pyramide in Karlsruhe

Öl auf Leinwand, unten links signiert und datiert "Jan. 1932". 60 : 80 cm.

Provenienz: Privatsammlung Rheinland

Literatur: Mülfarth, Leo, Kleines Lexikon Karlruher Maler. Karlsruhe 1987. S. 267

Ausstellungen: Wilhelm Winkler (1882-1964) Ölbilder und Aquarelle. Bezirksverband Bildender Künstlerinnen und Künstler Karlsruhe 2003.

VERKAUFT

"Wilhelm Winkler wurde am 10. Mai 1882 in Heidelberg als Sohn des Dekorationsmalers Jakob Wilh. Winkler geboren. Seine Mutter Caroline geb. Scholl stammte aus dem Odenwald; die stattliche Frau starb, als der Junge vier Jahre alt war. Der Vater verheiratete sich wieder, und alle Kinder aus beiden Ehen zusammengenommen machten ein >Kegelspiel< (9) aus. Der Vater arbeitete als Requisitenmeister am Heidelberger Theater, ein liebenswürdiger, frommer und ehrlicher Mann, den seine Kinder liebten. Durch ihn erlebte Wilhelm früh die bunte Welt des Theaters, denn er durfte mit seinem älteren Bruder Hermann dem Vater helfen. [...] Der Lohn des Vaters reichte kaum aus, die vielen Kinder zu ernähren. Man zog fast jährlich um und wohnte in den Hinterhäusern der Heidelberger Altstadt. [...] Da Zeichnen die Leidenschaft Wilhelm Winklers von kleinauf war, die seine Lehrer förderten, lag es nahe, daß er Lehre als Maler begann, auch der Vater war dabei Vorbild. Es ist kein Wunder und ganz normal, daß der junge Mann nach Beendigung der Lehre 1901 aus Enge und Armut von daheim weg wollte, es ihn in die Ferne zog. Er fand zunächst in Frankfurt a. M. bei einer Firma sein Unterkommen, die in ganz Deutschland Decken und Hausfassaden bemalte. [...] Interessant ist, daß er im Auftrage seiner Firma 1904 nach Aue im Erzgebirge kam und dort seine zukünftige Frau als sechsjähriges Mädchen kennenlernte. Ihr Vater war Besitzer einer Farbenfabrik und eines Malergeschäftes, ein vielseitiger Mann, der sich auch wissenschaftlich mit der Erforschung von Farbmischungen befaßte. [...] Sein Bruder Hermann, der sich zum Ingenieur hochgearbeitet hatte, war ihm Hilfe und Berater. Und so wurde 1912 das Wagnis unternommen, sich bei der Großherzoglich Badischen Akademie der bildenden Künste in Karlsruhe anzumelden.
Wilhelm Winkler wurde angenommen, es begann für ihn eine glückliche Zeit. Nicht nur, daß er sich mit der ihm eigenen Energie des Studiums annahm, er lebte auf in der Gemeinschaft mit gleichgesinnten Freunde. [...] Sein Lehrer war Prof. Fehr, Begegnungen mit Hans Thoma, den Brüdern Plock und Hoff hinterließen nachwirkende Eindrücke. Das Geld, die geringen Bedürfnisse des Lebens zu befriedigen, verdiente sich Winkler mit der gelernten Dekorationsmalerei. So war alles im besten Fluß, als der Erste Weltkrieg ausbrach und dem allem ein Ende setzte. Winkler wurde Soldat in West und Ost. Das Schicksal gewährte ihm eine glückliche Heomkehr nach Beendigung des Krieges. Mit 26 stand er vor einem Neuanfang.
Zunächst kam Winkler bei seinem zukünftigen Schwiegervater unter und verdiente seinen Lebensunerhalt als Deckenmaler. Aber schon 1922 gelang es ihm, seine Studien in Karlsruhe an der Bad. Landeskunstschule fortzusetzen, wie die Akademie nun hieß. 1923 heiratete Wilhelm Winkler Marianne Baumann. Der Schwiegervater war von dieser Heirat seiner Tochter mit einem >Hungerleider< nicht begeistert. Winklers Tochter Oto erzählt dazu: >Die ersten Jahre waren dann auch sehr hart. In der Wohnung in der Karlsruher Gartenstraße standen nicht sehr viel Möbel. Oft mußte die junge Frau mit dem im Oktober 1924 geborenen Söhnlein wieder heim zu den Eltern, weil kein Geld da war für das Tägliche. Vater arbeitete in der Schweiz, am Bodensee, verkaufte Gemälde, und so fand man langsam den Weg aus all der äußeren Armut, die aber innerlichnie Fuß fassen konnte. Dankbarkeit und Freude waren größer. All die Künstler in Karlsruhe, das Künstlerhaus, dieser feste Kreis schenkte Geborgenheit und ersetzte das, was materiell nicht da war. 1930 wurde ich geboren und erlebte in meiner frühen Kindheit noch diese große Harmonie in der Kunstschule, wo mein Vater immer noch sein Atelier hatte. Daß daneben das Geld immer knapp war, machte wenig aus, man war glücklich.<
Dann kam das Dritte Reich. Winkler besaß viele jüdische Freunde, seine Abneigung gegen das neue Regime war bekannt. Das bedeutete, daß die Aufträge immer weniger wurden. Als 1939 der Zweite Weltkrieg ausbrach, war es schon sehr still um den Künstler geworden. Der sensible Mann litt schwer unter den Ereignissen. 1942 entschloß er sich, mit seiner Familie in die Einsamkeit des Schwarzwaldes zu ziehen. Man baute in Nußbach bei Triberg eine alte Scheune aus, schwere körperliche Arbeit als Heilmittel gegen seelische Bedrängnis. Das Maß des Leidens war voll, als an Weihnachten 1944 der einzige Sohn im Kurland fiel.
Nach Kriegsende kehrte die Familie wieder nach Karlsruhe in die Akademiestraße zurück, aber das Leben hatte sich geändert. Die Freunde fehlten, den vertrauten Kreis der Künstler gab es nicht mehr. [...] Worte der Tochter mögen dieses Lebensbild beschließen: >Am 13. Dezember 1964 wurden Vater und Mutter bei einem Spaziergang im Hardtwald von einem Auto angefahren. Mutter war sofort tot, Vater wurde nach zwei Tagen am 15. Dezember von seinem Leiden erlöst. So durften die beiden Unzertrennlichen auch miteinander von der geliebten Erde scheiden>" (Vögely, Ludwig, Der Maler Wilhelm Winkler. In: Badische Heimat. 65. Jahrg. 1985, Heft 4. S. 630 ff)

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