Kunstkontor Dr. Doris Möllers

Jacobi, Rudolf (Mühlhausen/Thüringen 1889 - 1972 München)

Ohne Titel (Boote auf der Schlei)

Öl auf Leinwand, unten rechts signiert und datiert, 1920. 70,8 : 82,5 cm. Im Originalrahmen.

 

Provenienz: Privatsammlung Westfalen.

 

Literatur: Ludwig, Horst, Bearb., Münchner Maler im 19./20. Jahrhundert (=Bruckmanns Lexikon der Münchner Kunst). Band V. München 1993. S. 432 ff

 

Hengstenberg, Thomas, Hrsg., Vor dem Krieg - auf der Flucht - nach dem Frieden. Deutsche Künstler im Exil. Werke aus der Sammlung "Memoria Thomas B. Schumann". Schloss Cappenberg 2012. S. 85 ff. und S. 166

 

Öffentliche Sammlungen: Jüdisches Museum, Berlin

Berlinische Galerie

Yale University Art Gallery, New Haven/Connecticut

 

Eines der wenigen bekannten Werke aus der Zeit vor dem Parisaufenthalt mit noch leuchtend-expressiver Palette.

 

VERKAUFT

Jacobi wurde am 11.12.1889 in Mühlhausen und absolvierte ab 1903 eine Lehre als Theatermaler. Anschließend war er bis 1907 als Bühnenmaler tätig. Von 1907 bis 1914 studierte er an der Kunstakademie Berlin und wurde Meisterschüler von Friedrich Kallmorgen. Schon nach einem Jahr erhielt er hier sein eigenes Atelier. Von 1911 bis 1915 beteiligte er sich an den Veranstaltungen der Großen Berliner Kunstausstellung, den Sezessions- und Akademieausstellungen sowie von 1912 bis 1914 am Münchner Glaspalast. Jacobi war 1914 bis 1918 Soldat einer Fliegerabteilung. Seit 1919 lebte er als freier Maler in Berlin. 1919 bis 1921 reiste er im Sommer zum Malen nach Pommern und an die Schlei bei Schleswig.
1921 heiratete er die Malerien Anna Ottilie Krigar-Menzel (genannt Annot), eine Großnichte von Adolf von Menzel. Von 1923 bis 1926 besuchte das Paar mehrfach Positano in Italien.
1924 nahm Jacobi an einer Kollegtivausstellung in der Galerie Wolfgang Gurlitt teil. 1926 bis 1928 besuchte Annot die Malschule von André Lhote in Paris, während Jacobi dort wesentliche Einflüsse von Maurice de Vlaminck erhielt, wodurch sich u. a. seine Palette verdunkelte. 1927 beteiligte er sich an der Ausstellung im Salon d'Automne in Paris. 1928 eröffnete das Künstlerpaar die "Malschule Annot" am Lützowplatz in Berlin. Rudolf Jacobi wurde Mitglied der Berliner Secession und erhielt einen Staatsauftrag vom Preußischen Kulturministerium. Er verzeichnete erste Erfolge durch Ankäufe der Berliner Nationalgalerie, der Stadt Berlin und des Innenministeriums. Von Januar bis Februar 1928 fand die Ausstellung "Ölgemälde und Aquarelle von Annot und Rudolf Jacobi" in der Galerie Neumann/Nierendorf statt.
1933 musste die Malschule geschlossen werden, da Jacobi und seine Frau sich weigerten, jüdische Schülerinnen zu entlassen. Beide waren in diesem Jahr Gäste der Schriftstellerin Karin Michaelis in Dänemark, zusammen mit vielen bedeutenden Intellektuellen, u. a. Bertolt Brecht.
Obwohl als Nicht-Juden nicht existenziell bedroht, entschloss sich das Ehepaar zur Emigration in die USA, um ihren "Kindern die Erziehung im Dritten Reich zu ersparen" (R. Jacobi). 1934 gründeten sie eine Kunstschule in New York, an der u. a. auch Rudolf Belling unterrichtete. Wegen finanzieller Schwierigkeiten wurde die Schule 1940 geschlossen, das Paar übersiedelte nach Gloucester/Massachusetts.
1942-1944 beteiligte sich Jacobi an mehreren Ausstellungen in New York und konnte Bilder an amerikanische Museen verkaufen. 1956 erfolgte der Umzug nach Puerto Rico zu dem gemeinsam en Freund Pablo Casals.
1967 kehrte das Ehepaar wieder nach Deutschland zurück, wo Jacobi am 21. Dezember 1972 in München starb.

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