Kunstkontor Dr. Doris Möllers

Sterl, Robert (Großdobritz 1867 - 1932 Naundorf)

Kasan.

Kreidezeichnung auf festerem Papier, mit Kreide monogrammiert, betitelt und datiert, 6. Mai 1914. 16 : 17,3 cm auf 18,7 : 26,7 cm. Verso Marke mit Nachlaß-Stempel und die Nummerierung „B 137“. Im ehemaligen Passepartoutausschnitt leicht gebräunt, der obere Rand etwas unregelmäßig, verso Montierungsstreifen.

„Jetzt geht alles glatt und wir werden diese Nacht nach dem Konzert nach Kasan fahren, wo ich auch etwas Gutes zu arbeiten hoffe, weil ich dort etwas bestimmtes weiß und machen will. Ich denke und wir alle hoffen das, dass wir mit jedem Tag mehr Wärme und Sonne bekommen, sodass ich draussen bleiben kann.“ (Sterl an seine Frau am 4.5.1914)

Ohne Titel (Pferdefuhrwerke an einer Stadtmauer in Russland).

Bleistift auf Bütten, mit Bleistift monogrammiert, ohne Jahr. 17,5 : 23,5 cm auf 20,2 : 26 cm. Im ehemaligen Passepartoutausschnitt lichtrandig, der linke Rand etwas unregelmäßig, am oberen Rand ca. 5 mm langer, hinterlegter Einriß.

Das Orchester gastierte am 8. Mai in Simbirsk.


Ohne Titel (In der Loge).

Bleistift auf dünnem Skizzenbuchpapier, mit Bleistift bezeichnet „Samara“ und datiert, 9. Mai 1914. 10,3 : 17,5 cm auf 11,5 : 20 cm. Verso mit Montierungsstreifen (recto durchscheinend).


Ohne Titel (Zuhörerinnen).

Bleistift auf dünnem Skizzenbuchpapier. 10 : 16,5 cm auf 11,5 : 20 cm. Verso mit Montierungsstreifen (recto durchscheinend).

„Ja wenn ich nur an einigen Stellen länger zum Arbeiten bleiben könnte in meinem Leben. So muß ich mit dem ersten Eindruck wohl immer gleich wieder Abschied nehmen. Das Publikum bei den Conzerten ist, da diese Conzerte da noch nie gehört wurden, natürlich sehr verschieden - alle aber sind von einer rührenden Inbrunst und einem so starken musikalischen Interesse und musikalischer Bildung, daß es erstaunlich ist, wie das alles so im ganzen Volke schlummert.“ (Sterl in einem Brief an seine Frau).


Astrachan (Perser; verso: Landschaftstudie mit Farbnotizen).

recto
verso

Farbige Pastellkreide auf festerem Papier, mit Bleistift signiert, betitelt und datiert, 1914. 26,8 : 18,5 cm (Blattformat). An den Rändern etwas angestaubt, verso mit Montierungsstreifen.

Das Orchester gastierte am 17. und 18. Mai in Astrachan.

Vorliegende Pastelstudie diente als Vorlage für das Gemälde „Perser in Astrachan“ von 1914.

„Eben habe ich mir einen anderen Dampfer angesehen und bin durch die 3te und 4te Klasse gegangen, die ganz, ganz unglückliche Eindrücke gibt. Das Volk, Russen Tataren u. Perser, Kalmücken, ist so kolossal großartig, dass einem der Atem stockt und man sich so erbärmlich als Maler vorkommt.“ (Brief an seine Frau vom 21. Mai 1914)


Ohne Titel (Lastenträger beladen die wartenden Pferdekutschen).


Lastträger auf Steg. Öl auf Leinwand 1914. Popova 996

Bleistift auf festem Papier, mit Bleistift monogrammiert, ohne Jahr. 12 : 17 cm auf 16,3 : 21,3 cm. Gebräunt, die linke obere Ecke mit Ausriss. Diese Studie könnte in Zusammenhang mit dem Gemälde „Lastträger auf Steg“ von 1914 entstanden sein.

 

„Vor Samara, 23. Mai 1914. Meinen Malkasten habe ich soeben in Ordnung gebracht, die Pinsel ebenfalls und so kommt nun die Packerei Stück für Stück, dann ist alles verklungen und ich schließe die 3te Wolgafahrt. Ich weiß bestimmt, dass ich eine 4te nicht mehr mitmachen würde, ich werde vielmehr russisch lernen, so gut ich es irgend lernen kann und dann gehe ich ganz sicher zu einer guten Jahreszeit, wo keine Krankheiten zu befürchten sind, allein auf 4-6 Wochen nach Kasan, um dort feste zu arbeiten. Das ist ein so schöner Plan, dass ich ganz glücklich darüber bin und immer hoffen kann, dass ich gesund genug bleibe, um ihn ausführen zu können. Auf diesen Reisen habe ich das Land überall wundervoll kennengelernt, ich weiß, wo alles steckt, was ich will und brauche, ich muss also nur noch tüchtig russisch treiben, um notdürftig auch ganz allein durchzukommen. Und das läßt sich, wenn ich es muss, schon durchsetzen. “

„In Dresden wurde Sterls Atelier im Juni und Juli zum Arbeits- und Erlebnisfeld der Wolgareise. Üblicherweise breitete Sterl seine unzähligen Zeichnungen, Aquarelle, Notizen und Skizzen, seine Ölstudien und fertigen Gemälde um sich herum aus. Sie verwandelten die sonst nüchterne Arbeitsatmosphäre des Erinnerns und Nacherlebens und drängten in der Verinnerlichung des Erlebten zu weiterführender künstlerischer Gestaltung, wobei er das non-Finito seiner Skizzen nicht antastete. Die >vor Ort< gemalten Skizzen behielten den Reiz des Unmittelbaren und ihre Bedeutung als Expression des menschlich Erlebten“ (Zimmermann, Horst, Robert Sterl. Leben und Werk in Briefen und Selbstzeugnissen. Dresden 2011. S. 158).


Messe auf Strudelalpe b/ Monte Cristallo.

Aquarell- und Deckfarben über Bleistift auf einer unbedruckten österreichischen Postkarte, mit Bleistift monogrammiert, datiert und betitelt, 16.9.1917. 14,2 : 9 cm.

Sterl war von August bis Oktober 1917 Kriegsmaler an der Südfront in den Dolomiten. Die Strudelalpe ist eine Hochebene über der Geierwand und war im Ersten Weltkrieg Teil der österreichischen Befestigung an der Grenze zu Italien.

„1917 ist Sterl beim Feldmarschall Conrad von Hötzendorf in Tirol. Damals entstehen Aquarelle und Zeichnungen. Für den Maler wird es in der Folge immer schwieriger, ins Kampfgelände zu gelangen.“ (Posse, Hans, Robert Sterl. Dresden 1929. S. 42)

„Erneut also zog Sterl Ende August 1917 an die Front, aber diesmal als Maler, der eher Landschaft als Krieg malen wollte. Sein Reisepass vom 22. August 1917 enthält ein Visum des österreichisch-ungarischen Konsulats in Dresden für die Zeit vom 22. August bis 21. September. Am 28. August meldete er sich aus dem Hotel König von Ungarn in Wien, in dem er schon früher mit seiner Frau logiert hatte. Er besuchte als erstes die Akademie, wo er die im österreichischen Kriegsgebiet gemachten Bilder anderer Künstler besichtigte. Er erhielt während der vorgeschriebenen Kontakte mit militärischen Dienststellen seinen Einsatzplan mit militärischen Befehlspapieren und fuhr über Innsbruck nach Bozen, wo er sich beim Heeresgruppenkommando melden musste. [...] Am 15. war er wieder in Bozen und besuchte von hier aus Meran. >Habe eben eine Postkarte für den Prinzen Johann Georg gezeichnet [...] Ich gehe in 2 Tagen ins Ortlergebiet [...].< Über diese Tage gibt es von Georg Hirzel einen Bericht in seinem Bozener Tagebuch. >Dritter Kriegsherbst in Tirol, 1917< mit einer Widmung >Seinem lieben Professsor Sterl zur Erinnerung an gemeinsame Wochen in Bozen und seiner weiteren schießenden Umgebung< vom 4. März 1918. Es heißt dort: >Meine erste große Freude war, mit Professor Sterl aus Dresden wieder zusammenzukommen. Schon im Sommer hatte ich ihm so viel von meinen Herbstfahrten in Tirol erzählt und ihn verlockt, zusammen mit mir einige Wochen im Kriegsgebiet zu wandern und zu sehen, dass er Malkasten, Staffelei und Papier eingepackt hatte und noch vor mir in Bozen angekommen war. [...] Schon vor meiner Ankunft war er an den Christallo-Stellungen gewesen, hatte viel Studien und Zeichnungen mitgebracht und fährt morgen für einige Tage ins Ortlergebiet. Nach seiner Rückkehr wollen wir dann beide irgendwohin hinausziehen.<“(Zimmermann, Horst, Robert Sterl. Leben und Werk in Briefen und Selbstzeugnissen. Dresden 2011. S. 198)

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