Kunstkontor Dr. Doris Möllers

Sterl, Robert (Großdobritz 1867 - 1932 Naundorf)

Conzert.

recto
verso

Conzert. Bleistift auf Skizzenbuchpapier, mit Bleistift betitelt, bezeichnet „Samara I dann unleserlich“ und datiert, 20.5.1910. Verso: Studie eines Pferdes, bezeichnet „Darmstadt“ und datiert, 28.4.1910. 10 : 13 cm. Der obere Rand etwas unregelmäßig, links wohl beschnitten, verso Montierungsstreifen.

„Dazwischen entstehen als eigentlicher Hintergrund der russischen Reisen Studien und Bilder in den Musikproben auf dem Schiff, in den Konzerten selbst, zu den Bildnissen von Kussewitzky, Rachmaninoff und Scriabine. Diese Konzertdarstellungen in den weiten, strahlend hellen Festsälen von Moskau, Simbirsk, Ribinsk, Samara, Kasan und Astrachan, mit der charakteristischen eleganten Gestalt des Dirigenten Kussewitzky, haben ein eigenes Tempo, ihren besonderen Klang. Noch leichter und beschwingter erscheinen Zeichnung und Farbe als in den vorangehenden Dresdner Darstellungen mit Schuch und Nikisch. Es sind jäh und leidenschaftlich ,hingehauene‘ Sachen. Die Erregung des Erlebens läßt die Pinselstriche wie musikalische Noten tanzen.“(Posse, Hans, Robert Sterl. Dresden 1929. S. 40)

Samara (Orchester Kussewitzky).

Bleistift auf Skizzenbuchpapier, recto signiert, betitelt und datiert, 21.5.1910. 10,2 : 16,4 cm (Blattformat).

Die Konzerttournee führte Kussewitzky und sein Orchester am 20./21. Mai 1910 nach Samara.

„Die Solisten Damajew und Ehrlich spielten Werke von Mussorgsky, Konjus, Glasunow, Glinka, Tschaikowsky, Gretschaninow, Rimski-Korsakow und Kalinikow am 19.5. in Saratow, am 21.5. in Samara und am 23.5. in Kasan. [...] Während der Konzerte aber war er bewundernder Hörer und begeisterter Zeichner und Maler. Viele Zeichnungen enthalten exakte Angaben zu Ort und Zeit der Konzerte, so daß es durchaus möglich ist, anhand von flüchtigen Skizzen und Studien die Reise zu verfolgen und selbst bei weniger ausgeführten Arbeiten Rückschlüsse auf die dargestellten Solisten zu ziehen. Diese Mal- und Zeichenstudien auf der ersten Wolgareise sind überwiegend auf die überragende Persönlichkeit des Dirigenten Kussewitzky während der Konzerte als Beherrscher des Orchesters gerichtet. Sie zeigen ihn in allen erdenklichen Posen mit unterschiedlichen Armbewegungen und in den charakteristischen Kopfhaltungen.“ (Zimmermann, Horst, Das musikalische Thema bei Robert Sterl. In: Katalog der Ausstellung „Robert Sterl und die Musik“. Kulturforum Lüneburg 1994. S. 13 f.).


Ohne Titel (Pferdegespanne in Samara und zwei Männer in Wolsk recto; Landschaftsstudie verso).

Bleistift auf festem Papier, recto mit Bleistift monogrammiert, datiert und bezeichnet, 21.5.1910. 18,3 : 27,2 cm (Blattformat).

Ausstellung: Robert Sterl. 1867-1932. Zeichnungen, Lithographien, Gemälde aus Bielefelder Privatsammlungen. Westfälisches Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte Münster 1977. Katalog-Nr. 54.


Astrachan (Orchester Kussewitzky) (verso: Jaroslawl).

Bleistift auf Büttenpapier, betitelt, datiert, verso monogrammiert, 29.5.1910 bzw. 28.4.1912. 13,2 : 19,5 cm. Verso Montierungsstreifen.

Kusswitzky gastierte am 28./29. Mai 1910 in Astrachan und während der zweiten Konzertreise auf der Wolga 1912, zu der Sterl ihn erneut begleitete, am 27. April in Jaroslawl.

„Trotz der großen Flüchtigkeit in der ,vor Ort‘-Arbeit, und der dadurch auch nicht so nuancenreichen, eher eingeschränkten Palette bemühte sich Sterl doch einerseits sehr darum, den Eindruck des Unmittelbaren, des Dabeiseins hervorzurufen, andererseits die porträthafte Charakterisierung der Akteure nicht zu vernachlässigen. So ist die knisternde Spannung zwischen dem äußerst sensiblen und hochkonzentrierten Skrjabin am Flügel und dem nachdenklich ruhigen Kussewitzky am Pult fast körperlich zu spüren, und doch ist sie nur mit kompositorischen Mitteln ausgedrückt. Auch diese äußerst differenzierte Gestaltung kann, wenn man sie entdeckt, den Reiz der Beschäftigung mit diesen kleinen Meisterwerken impressionistischer Zeichen- und Malkunst steigern.“ (Zimmermann, Horst, Das musikalische Thema bei Robert Sterl. In: Katalog der Ausstellung „Robert Sterl und die Musik“. Kulturforum Lüneburg 1994. S. 14 f.).


Ohne Titel („Frau von Struvis [sic] auf dem Steg. Iberdzy“)

von Feldmann  auf dem Passepartoutkarton in Bleistift beschriftet). Bleistift auf festem, glattem Papier, mit Bleistift monogrammiert und datiert, 18.6.1910. 14,5 : 16,5 cm (Blattformat).

Sterl hielt sich nach Rückkehr von der Wolgareise bei seinem Freund Nikolai von Struve auf dessen Landgut in Iberdzy auf.Nicolai von Struves Frau Vera war Sterls Schülerin.

„In Iberdzy, dem Landsitz seines Freundes v. Struve unweit Moskaus, wo Sterl 1910 einige Zeit zu Gast war, entstanden neben heiteren, wehenden Frühlingslandschaften in durchsichtiger, behender Zeichnung Kreidestudien in kleinem Format: Fischer beim Auslegen der Netze im Wasser stehend, Bauern beim Wasserholen mit Pferd und Wagen und ähnliche Vorgänge von fast idyllisch anmutender Haltung. Das war wie ruhiges Atemholen vor den erregenden Eindrücken, die ihn an der Wolga erwarteten.“ (Becker, Heinrich, Robert Sterl als Zeichner. Bielefeld 1952. S.29 f)


Ohne Titel (Fischer beim Aufstellen eines Fangnetzes).

Bleistift auf festem, glattem Papier, mit Bleistift monogrammiert, ohne Jahr. 15 : 16,8 cm.



Ohne Titel (Landschaft bei Iberdzy).

Bleistift auf Skizzenbuchpapier, mit Bleistift signiert und datiert, 19.6.1910.Ca. 11,8 : 23,3 cm (Blattformat). Unregelmäßig beschnitten, verso Montierungsstreifen. Auf dem Passepartoutkarton mit „Iberdzy“ in Bleistift (von Feldmann?) beschriftet.

„Die auf dieser Reise in unglaublicher Fülle entstandenen Arbeiten widerspiegeln die in den Briefen an seine Frau sich überschwänglich mitteilende Freude an den Konzerten, an der Wolgalandschaft und am Leben der Menschen am Fluss. Die Orchesterskizzen sind vom Miterleben des Musikalischen geprägt, so flüchtig der malerische Vortrag in der notwendigen schnellen Niederschriftt des Erlebten auch sein mag. Die Darstellungen des dirigierenden Kussewitzky verraten eine auffallende innere Nähe zu den Dresdner Schuch-Studien, die Sterl nach der Konzertreise wieder stärker beschäftigen. [...] Neben den Orchesterstudien zeichnete Sterl auch immer wieder die Konzertbesucher, die >einen geradezu unerschöpflichen Stoff für sein Skizzenbuch< gaben. Dennoch ist die Wolga, das Leben auf ihren Booten und an ihren Ufern, sind die Kirchen und Prozessionen, Städte und Häfen, Frachtkähne und Fähren, Lastenträger und Fuhrgespanne sein Hauptthema geworden. Sterl zeichnete ein weit gefasstes Bild des Lebens und Arbeitens an der Wolga von den romantischen Stimmungen heller Nächte im Norden bis zu den orientalischen Basaren und den Kalmückenbooten im Süden“ (Zimmermann, Horst, Robert Sterl. Leben und Werk in Briefen und Selbstzeugnissen. Dresden 2011. S. 116 f.).

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