Kunstkontor Dr. Doris Möllers

Sterl, Robert (Großdobritz 1867 - 1932 Naundorf)

N. N. (Nishnij Nowogorod).

Bleistift auf festem Papier, mit Bleistift monogrammiert, bezeichnet und datiert, 15.5.1910. 11 : 23,3 cm.

Am 15.5 gastiert das Orchester in Nishni-Nowgorod, am 17./18. 5. in Kasan.

Nishnij Nowogorod (Caféhausszene) recto; Kasan (Lastenträger an der Wolga) verso.

Bleistiftzeichnungen, recto monogrammiert, jeweils betitelt und datiert, 16.5.1910 und 17.5.1910. 15 : 29,2 cm bzw. 16 : 17 cm auf  23,8 : 32 cm.

„Immer wieder beschäftigt den Maler das Thema der Arbeit: die Wolgaschiffer, die Schiffszieher, die Ruderer, Flößer, Fischer, Transportarbeiter, das bunte Leben auf dem Wasser mit den dichtbesetzten Booten und Segelschiffen, auf den Ladeplätzen. Der Lastträger, der mit schwerbeladenen Schultern tiefgebeugt die gewaltigen Ballen ans Ufer, auf die Wolgaschiffe schleppt, die Schiffszieher in den bunten Trachten, die im wuchtigen Gleichmaß das Flußufer entlang stampfen, werden zu wahrhaft monumentalen Verkörperungen des russischen Arbeiterschicksals. Sterl kostet das künstlerische Erlebnis aus, er ist wie bezaubert von dieser neuen fremdartigen Welt. [...] Es entstehen in Mengen Skizzen und Studien, die durchglüht vom Fieber des Erlebnisses den vorübereilenden Moment und den Reiz flüchtiger Erscheinung in einer flüssig-farbigen Schnellschrift festzuhalten suchen.“ (Posse, Hans, Robert Sterl. Dresden 1929. S. 38)


Ohne Titel (Liegender, trinkender Knabe).

Bleistift auf faserigem Papier, mit Bleistift monogrammiert und datiert, 1910. 16,2 : 17,4 cm (Blattformat). Der Rand etwas unregelmäßig, verso Montierungsstreifen.


Ohne Titel (Wäscherinnen an der Wolga).

Bleistift auf festerem Papier, mit Bleistift monogrammiert, ohne Jahr. 10 : 11,5 cm. Der Rand etwas unregelmäßig, verso Montierungsstreifen.


Kasan (Lastenpferde).

Federzeichnung auf glattem Papier, mit Tusche signiert, betitelt und datiert, 18. 5. 1910. 10 : 14,3 cm. Am linken Rand Montierungsstreifen.

Literatur: Becker, Heinrich, Robert Sterl als Zeichner. Bielefeld 1952. S. 28 (mit Abb. 21).

„Sterl war mehr als alles andere Maler und wurde immer aufs neue von unstillbarem Verlangen des Auges in diese fremde Welt getrieben. Jeder neue Besuch Rußlands bezeugt, daß es sich nicht um eine Fügung des Schicksals handelte, sondern um eine klare Entscheidung des Instinkts. Als er Rußland zum ersten Mal sah, war er neununddreißig Jahre alt, bei der letzten siebenundvierzig, in einem Alter also, wo der Mensch im Vollbesitz seiner Kräfte ist, aber auch in Gefahr, in Routine zu verfallen, sein eigener Nachahmer zu werden. Was Rußland ihm verhieß, war Bestätigung und Bereicherung seines Welt- und Menschenbildes, Weitung seiner Horizonte. Es zeigte ihm Höhen und Tiefen des Daseins in unerhörten Kontrasten, nährte seine Phantasie mit unverbrauchten Eindrücken und verlieh seinen Bildvorstellungen neue Weite und Intensität. Hier erlebte er Lebens- und Glaubensformen, wie sie das Abendland in wahrhaft biblisch anmutender Einfachheit, Demut und Genügsamkeit nicht mehr kannte. Eine Welt der Dumpfheit und der Schwermut, die nicht erlöst werden kann durch den Glanz und die Lebensverfeinerung einer von weit her kommenden Zivilisation.“ (Becker S. 27 f.)

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