Kunstkontor Dr. Doris Möllers

Sterl, Robert (Großdobritz 1867 - 1932 Naundorf)

Leipzig Generalprobe

Leipzig Generalprobe (Arthur Nikisch dirigiert), verso weitere Detailstudien. Bleistift auf glattem Papier, mit Bleistift signiert betitelt und datiert, 15.12.(19)09. 29 : 22,5 cm (Blattformat). Verso mit dem Nachlaß-Stempel und der Nummerierung „B 1099“. Im ehemaligen Passepartoutausschnitt leicht gebräunt.

recto
verso
Arthur Nikisch 1901

Ohne Titel (Zwei Violinisten).

Bleistift auf festem Papier, mit Bleistift monogrammiert und datiert, 18. XII. (19)09. 13,4 : 15,2 cm (Blattformat). Verso mit Nachlaß-Stempel und Nummerierung „B 1034“.

„So wie er das Jahr 1908 mit diesen furiosen Dirigentenbildern begonnen hatte, setzte er seine Studien mit einer wahrlichen Begierde nach realistischer Genauigkeit der Orchesterarbeit im Sinne Adolph von Menzels fort. Er tastete von unterschiedlichen Standorten aus das Orchester in zahlreichen Einzeluntersuchungen ab, zeichnete immer wieder Instrumentengruppen, Klarinettisten, Hornbläser, Kontrabassisten. Er umkreiste förmlich die Musiker und untersuchte ihre typische Haltungen bis zu den Kesselpaukern und erfaßte alle Details, mal in breiten und kraftvollen Strichlagen, mal in fast kritzelnder Akribie.“  (Zimmermann, Horst, Das musikalische Thema bei Robert Sterl. In: Katalog der Ausstellung „Robert Sterl und die Musik“. Kulturforum Lüneburg 1994. S. 10).


Ohne Titel (Gewandhauskonzert).

Braune Kreide auf festerem Papier, mit Bleistift signiert, mit Kreide bezeichnet „Gewandhaus Leipzig rechte Seite“ und datiert, 27.I. (19)10. 29,5 : 27,5 cm (Blattformat). Einheitlich gebräunt.  Papierverlust an der linken oberen Ecke wohl durch Feldmann ergänzt. Verso mit dem Nachlaß-Stempel und der Nummerierung „B 1052“.

Zu sehen ist ein Entwurf der rechten Bildhälfte des Gemäldes „Gewandhauskonzert mit Arthur Nikisch“, deutlich zu erkennen die Rückenfigur des Musikers am vorderen Bildrand, die Dame rechts mit der aufwendigen Frisur, die zuhörenden Herren links neben dem in der Studie nicht vorhandenen Dirigenten.


Ohne Titel (Klavierabend Leipzig, Gewandhaus).

Bleistift auf Skizzenbuchpapier, mit Bleistift signiert und mit „Leipzig“ betitelt, ohne Jahr (um 1911). 9,5 : 9 cm auf 16 : 10,4 cm. Der linke Rand etwas unregelmäßig, stellenweise kleine Fleckchen, verso Montierungsstreifen.

Bei dem Pianisten könnte es sich um Alexander Nikolajewitsch Skrjabin (1872-1915) handeln. „Während des Konzertaufenthaltes Skrjabins in Dresden im Februar 1911, er spielte außerdem noch in Berlin und Leipzig, trat der Komponist mit einem großen und komplizierten, nur aus eigenen Werken bestehenden, Programm auf, die er nur dann aufführte, wenn er vom musikalischen Aufnahmevermögen des Publikums überzeugt war. So hatte Sterl,, der während dieser Tage den russischen Komponisten und Pianisten ständig begleitete, eine Möglichkeit, sich ein Bild von der faszinierenden Persönlichkeit Skrjabins, die völlig in Musik aufging, zu verschaffen.“ (Kardinar, Natalia, Sterls Begegnungen mit Musikern in Dresden. In: Robert Sterl. Das Werk des Malers. Katalog der Ausstellung der Nationalgalerie Berlin (Ost) 1983/84. S. 29 f)


Moscou (verso Blick über Dächer und Türme des Kreml).

Bleistift auf Zeichenblockpapier, mit Bleistift monogrammiert und betitelt, ohne Jahr. 13,2 : 19,2 cm (Blattformat) Der rechte Rand etwas unregelmäßig, verso Montierungsstreifen.

„Im März 1908 war Sterl Gast auf der Hochzeitsfeier seiner früheren Schülerin Jenny Siegel und lernte dort deren in Russland lebenden Eltern kennen, die ihn zu einem Besuch nach St. Petersburg einluden. [...] Am gleichen Tag [27. Juni] fuhr Sterl von abends 9 Uhr bis anderntags 1/2 9 Uhr im Schlafwagen nach Moskau, wo er Nic von Struwe [sic] traf und mit ihm auf dessen Gut Iberdzy weiterreiste. [...] Am 3. Juli fuhr er mit Struwes nach Moskau. Am 4./17.Juli besichtigten sie den Kreml über dessen Schätze er begeistert berichtete. >Heute Morgen waren Niko und ich im alten russ. Kaiserschloss, dem Kreml, und wir haben nicht nur die wunderbarsten Gold- und Silbergefäße, Waffen, die Kronen der Zaren von Peter dem Großen bis zum jetzigen Zaren und die der Zarinnen gesehen, zugleich auch die Krönungsgewänder. Es sind da Zaumzeuge von Katharina II. für ihre Pferde aus purem Gold, mit herrlichen Steinen eingefasst, die großartig noch jetzt aussehen und die früher, als die Rosse damit geschirrt geritten wurden, geradezu unglaublich gewirkt haben. [...] Du kannst keine Ahnung haben, was Moskau für eine malerische Stadt ist und in welcher großartigen Weise hier gelebt wird< (Iberdzy, 8.7.1908)“ (Zimmermann, Horst, Robert Sterl. Leben und Werk in Briefen und Selbstzeugnissen. Dresden 2011. S. 100).


„Es sind diese Musikerstudien gewesen, die Sterl eines der entscheidendsten künstlerischen Erlebnisse seines Lebens vermittelt haben: die Bekanntschaft mit Rußland. In Begleitung eines Freundes, des russischen Komponisten Nicolai v. Struve, lernt er 1906 [sic] auf einer Reise von Moskau bis Nischni-Nowgorod und längs der Wolga Rußland zum erstenmal kennen. Fünfmal im ganzen ist Sterl in Rußland gewesen. Durch Struve und Nikisch ist er mit dem russischen Dirigenten Sergei Kussewitzky bekannt geworden. Sterl hat ihn 1908, 1910 und 1914 auf drei Konzertfahrten die Wolga entlang, von Twer und Nischni-Nowgorod bis Astrachan begleitet. [...] Dieser Eindruck Rußlands wirkt auf Sterl wie eine Erleuchtung. Alles Frühere tritt nun zurück. Nach der Enge der hessischen und selbst der Dresdner Verhältnisse tut sich ihm eine neue farbige, phantastische, unendlich reichere Welt auf. Was er bisher gesucht und erstrebt hat, tritt ihm in Rußland in einer ungeahnten Steigerung und Größe entgegen. Einfaches Menschentum, der Rhythmus der Arbeit und des Lebens, Form und Farbe klingen hier mit der großen Natur zu einer wunderbaren Harmonie zusammen. Europäisches fließt unmerkbar in Asiatisches hinüber, abendländische Kultur und Konvention in eine ursprüngliche Einfachheit des Lebens.“ (Posse, Hans, Robert Sterl. Dresden 1929. S. 33 f.)


„Während Sterl in Fortsetzung seiner Studien für das Porträt des berühmten Dirigenten Arthur Nikisch häufig im Leipziger Gewandhaus zeichnete, erhielt er eine Einladung des russischen Dirigenten Alexandrowitsch Kussewitzky, als Gast an dessen Konzerttournee mit seinem symphonischen Orchester entlang der Wolga vom 9. Mai bis 7. Juni 1910 teilzunehmen. Er hatte den bekannten Kontrabassisten und Komponisten bei dessen Konzert im Dresdner Künstlerhaus ein Jahr zuvor kennengelernt und war über diese Einladung sehr erfreut. Auch Arthur Nikisch, der Kusswitzky durch seine häufigen Konzerte mit russischen Orchestern in Moskau und St. Petersburg sehr gut kannte, wird Sterl auf das Besondere dieser Reise auf der Wolga hingewiesen haben. [...] Er folgte also mit einer gewissen Erwartungshaltung dieser ungewöhnlichen Einladung, denn Kussewitzky rief nicht die Bewohner der Wolgastädte nach Moskau, sondern er reiste mit seinem Orchester, um den Russen entlang der Wolga klassische europäische Musik mit hervorragenden Solisten nahezubringen. Das Orchester konzertierte in städtischen Theatern, in Konservatorien, in Sälen der Adelsversammlungen oder der Handelsgesellschaften. Es würde zweifellos ein großes gesellschaftliches Ereignis und ein musikalisches Experiment werden, das Sterl als Musikenthusiasten begeistern und als Maler herausfordern würde. Hinzu kam die Freude, der Wolga, diesem sagenhaften russischen Fluss nach zwei Jahren wieder zu begegnen“(Zimmermann, Horst, Robert Sterl. Leben und Werk in Briefen und Selbstzeugnissen. Dresden 2011. S. 112).

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