Kunstkontor Dr. Doris Möllers

Sterl, Robert (Großdobritz 1867 - 1932 Naundorf)

Leipzig Gewandhaus

recto
verso

Leipzig Gewandhaus (Schuch dirigiert), verso weitere Studie des Dirigenten. Bleistift auf Büttenpapier, recto mit Bleistift monogrammiert, betitelt und datiert, 25. XI. 1908, verso betitelt „Leipzig Gewandhaus“ und datiert, 26. XI. (19)08. 28,6 : 22,2 cm (Blattformat).

„Den großen Dirigenten des frühen 20. Jahrhunderts - Kusswitzky, Nikisch und vor allem Schuch - war Robert Sterl eng verbunden. Neben seiner hervorragenden Begabung als Bildnismaler gelang es Sterl wie kaum einem anderen Künstler, dem Musizieren selbst und der atmosphärischen Stimmung im Konzertsaal malerisch lebhaften Ausdruck zu geben. [...] Es sind seine Bilder der Arbeit, deren beste - ganz gleich ob im Steinbruch oder im Orchestergraben entstanden - Momente der höchsten körperlichen wie geistigen Anspannung und Konzentration wiedergeben. Nicht die Musik, sondern der Akt des Dirigierens und Musizierens steht bei Sterl im Mittelpunkt.“ (Popova, Kristina, Bearb., Robert Sterl, Werkverzeichnis der Gemälde und Ölskizzen. Dresden 2011. S. 59).


Orchester der Dresdner Hofoper

Ohne Titel (Studie des Orchesters der Dresdner Hofoper recto; weitere Studien verso, darunter rechts um 90 Grad nach rechts: Studie des Dirigenten Ernst von Schuch). Bleistift auf festerem Papier, mit Bleistift signiert und beidseitig datiert, 4. XII. 1908 und 22. 10. 1908. 19,6 : 24,5 cm.

„Schuch war bereits seit 1879 als Erster Kapellmeister in Dresden tätig, aber nun erst trat er in den Gesichtskreis des Malers Robert Sterl. Ernst von Schuch war zu dieser Zeit bereits Generalmusikdirektor unter der Generalintendanz von Graf Seebach, als er in den ersten Skizzen Sterls auftaucht. Interessanterweise zeichnete er den Dirigenten während der Orchesterproben zu Louis Nicodés ,stillste Stunde‘, einem zeitgenössischen jungen Dresdner Komponisten, um den Schuch sich ebenso bemühte, wie um Bruckner, Mahler oder Debussy. Sterl zeichnete den Dirigenten aus der Sicht der Musiker, während dieser sein Orchester in höchster Erregung in mitreißender Gebärde dirigiert.“ (Zimmermann, Horst, Das musikalische Thema bei Robert Sterl. In: Katalog der Ausstellung „Robert Sterl und die Musik“. Kulturforum Lüneburg 1994. S. 10).

„Im Frühjahr 1909 arbeitete Sterl sehr intensiv an dem pragmatischen Arbeitsbild >Generalmusikdirektor Ernst von Schuch bei der Generalprobe<. Es wurde in einem langen Prozess nach einer Vielzahl realistischer Studien vorbereitet. Es erwies sich dann als ein Werk, das den Dirigenten in schöpferischer Einheit mit seinem Orchester feiert und der musikalischen Atmosphäre in der ästhetischen Noblesse des malerischen Vortrags fulminant Ausdruck gibt. Sterl war während der Arbeit an diesem Schuch-Bild häufig zu Studienzwecken in der Hofoper, aber er besuchte sie auch um des musikalischen Genusses willen.“  (Zimmermann, Horst, Robert Sterl. Leben und Werk in Briefen und Selbstzeugnissen. Dresden 2011. S. 106).

Insgesamt 42 Jahre wirkte Ernst von Schuch in Dresden. 25-jährig kam der am 23. November 1846 in Graz Geborene, der dort sowie in Wien Musik und Jura studiert hatte, in die Elbestadt. Ihm verdankt die Dresdner Oper eine ihre glanzvollsten Zeiten.

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Generaldirektor Ernst von Schuch bei der Generalprobe. Öl auf Leinwand 1909. Städtische Galerie Dresden. Popova 740
Ernst von Schuch (Graz 1846 -1914 Niederlößnitz), seit 1872 im Dienst, machte die Kapelle zum Strauss-Orchester. Hier mit der Kapelle in Konzertformation 1888 auf einem ihrer ersten Gesamtfotos.

Ohne Titel (Arthur Nikisch dirigiert).

Bleistift auf Skizzenbuchpapier, mit Bleistift signiert, um 1909. 16,2 : 9 cm. Außer Montierungsspuren und einem winzigen Papierverlust am rechten Rand schön erhalten.

„Nirgends zeigt sich deutlicher als im Bildnis die eminente Begabung Sterls als Zeichner. Seine Köpfe sind in ihrer charakteristischen Form bis ins letzte durchgearbeitet, oft bleibt die Zeichnung an gewissen Stellen des Gesichtes zwischen der pastosen Malerei stehen. Und so knapp und locker die Niederschrift der Bilder ist, so liegt ihr doch stets das straffe Gerüst der bis zum Extrakt gerundeten Zeichnung vor der Natur zugrunde.“ (Posse, Hans, Robert Sterl. Dresden 1929. S. 47)

„Diesem Porträt [von Schuch] schließt sich das des seit 1895 in Leipzig tätigen Gewandhauskapellmeisters Arthur Nikisch (1855-1922) an, der die bedeutendsten Orchester Europas und der USA dirigierte und auch häufig Gast in St. Petersburg und Moskau war. Sterl hatte ihn durch Vermittlung des Konzertmeisters Petri kennengelernt. Die Vorarbeiten, die 1909 und 1910 im Leipziger Gewandhaus einsetzten, unterscheiden sich kaum von den Schuch-Studien. Sie geben Einblick in die Gesamtsituation des Orchesters oder beschäftigen sich mit Details aus verschiedenen Gesichtswinkeln, stellen mal das unruhige und verwirrend Vielfältige der Musikinstrumente im Lichterspiel der Notenpulte dar oder konzentrieren sich ganz auf Nikisch selbst.“ (Zimmermann, Horst, Das musikalische Thema bei Robert Sterl. In: Katalog der Ausstellung „Robert Sterl und die Musik“. Kulturforum Lüneburg 1994. S. 12).

„Im Dezember 1909 erhielt Sterl den Auftrag, den ungarischen Dirigenten Arthur Nikisch (1855-1922) zu porträtieren. Dieser war ab 1895 bis zu seinem Tod Gewandhauskapellmeister in Leipzig und Chefdirigent der Berliner Philharmoniker. Zwischen dem 8. Dezember 1909 und dem 27. Januar 1910 schuf Sterl etwa 30 Zeichnungen des Musikers. „Vom charismatischen Dirigenten tief beeindruckt, notierte Sterl am Rand einer Zeichnung: ,Der Kopf im Ausdruck sehr leidend, nervös angespannt‘, und so ist Nikisch auch in zwei Gemälden und der Porträtstudie wiedergegeben.“ (Popova, Kristina, Bearb., Robert Sterl, Werkverzeichnis der Gemälde und Ölskizzen. Dresden 2011. S. 44).

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