Kunstkontor Dr. Doris Möllers

Picasso, Pablo (Málaga 1880 - 1973 Mougins)

Biographie - Objekte

Sable mouvant

Pierre Reverdy, Sable Mouvant. Folge von 10 Aquatinta-Radierungen auf Vélin de Rives, gedruckt im Atelier Crommelynck, Paris 1966.

Eins von 220 Exemplaren, im Impressum mit Bleistift signiert.

Bloch 1183-1192; Baer 1152-1161; Cramer 136.

Picasso hatte Pierre Reverdy (1889-1960) 1910 am Montmartre kennengelernt. Der Dichter lebte seit 1925 sehr zurückgezogen, wurde aber besonders von den Surrealisten sehr verehrt. Picasso war eine der drei Personen, die von seinem Tod erfuhren, die beiden anderen waren Braque und Tériade. Sable mouvant ist das letzte Gedicht Reverdys. Für die posthume Veröffentlichung wählte Picasso 10 Aquatinten mit dem Thema "Maler und Modell", einem fast schon eigenständigen Genres im Werk Picassos. 

Sable mouvant


Poèmes et lithograph

Folge von 14 lithographierten Blättern auf Vélin d'Arches, enthaltend 30 Kompositionen und 26 handschriftliche Textseiten, jeweils nummeriert.

Impressum mit Bleistift signiert. Gedruckt bei Fernand Mourlot Paris 1954.

47. von 50 Exemplaren.

Bloch 615-628; Cramer 69.

Von Febraur bis September 1941 schrieb Picasso die hier veröffentlichten Gedichte. Inhaltlich breit gefächert handelt der schwer übersetzbare Text von dem Leben und dem Leiden unter den Zeitverhältnissen, vom täglichen Leben, wie auch von Tränen, Blut und Nervenzusammenbrüchen. Zwischen dem 6. April und dem 29. Mai 1949 entstanden die 30 Illustrationen zu den Gedichten ebenso wie die 26 handgeschriebenen Textseiten. Ebenso wechselhaft wie die Inhalte sind auch die dargestellten Motive, die sich nicht alle auf den Inhalt beziehen. Die Eule taucht mehrmals auf, Faunköpfe, Gesichter und Profile, die an Françoise Gilot erinnern, Blumen, Stierkampfszenen, Frauenakte, Picassos "Buch" ist in Wirklichkeit eine Mappe, die ein wenig vorgibt, ein Buch werden zu wollen. Diese unerfüllte Absichtserklärung ist es, die letzlich den Charme des Konvoluts ausmacht. 

Poèmes et lithographies


Le départ / Der Aufbruch

Folge von 6 Zustandsdrucken.

Zustand I: Lavierte Pinsellithographie mit Feder und Schaber  in SCHWARZ von der Zinkplatte auf Vélin d'arches (mit Wasserzeichen), in der Platte seitenverkehrt datiert, 12.3.1951. 34,7 : 43,8 cm auf 38 : 56,5 cm. Auflage: 5 Abzüge in ROT für den Künstler (bisher ist nur 1 Abzug in Schwarz bekannt gewesen: Reuße 566). Abzug für den Drucker.

Zustand III: Lavierte Feder- und Pinsellithographie von der Zinkplatte auf BFK-Rives-Vélin, in der Platte seitenverkehrt datiert, 25.4.1951. 35,5 : 43,5 cm auf 45,2 : 56 cm. Mit Bleistift vers beschriftet: "2e état" "page 54", recto: "G même réduction que F. Les épreuves sont en répérage". Nicht bei Bloch; Mourlot 201 (mit falschem Datum); Rau 526; Reuße 571 (hier als 6. Zustand). Diese Fassung entstand auf einer neuen Zinkplatte, auf die ein Abzug von der am 12. März angefertigten Platte übertragen wurde. Abzug für den Drucker außerhalb der Auflage von 5 Künstlerexemplaren.

Zustand V: 2 Farben: Schwarz und Ocker: Schaber und Sandpapier auf eingeschwärztem Stein mit Tonplatte auf BFK-Rives-Vélin (mit Wasserzeichen), außerhalb (?) des Steins seitenverkehrt datiert, 1. Mai 1951. 35,2 : 44,3 cm auf 45 : 55,7 cm. Abzug für den Drucker außerhalb der Auflage von 5 Künstlerexemplaren. Vgl. Bloch 686; vgl. Mourlot 201; vgl. Rau 530 : "Ein Negativ-Abzug (Umkehrung von Schwarz und Weiß) oder ein Abzug in weiß wurde von der Zinkplatte der Fassung [Zustand 1] vorgenommen und auf einen mit Tusche bedeckten neuen Stein abgeklatscht. Die aus dem schwarzen Grund herausgeschabte Zeichnung erscheint im Druck weiß"; Reuße 578 [hier 13. Zustand]: "einziger bislang bekannter Druck in dieser Farbigkeit".

Zustand VII: 3 Farben: Schwarz, Ocker, Gelb: Schaber, Sandpapier mit eingescwärztem Stein auf sehr weißem BFK-Rives-Vélin, außerhalb (?) des Steins seitenverkehrt datiert, 1. Mai 1951. 35,2 : 44,2 cm auf 44,8 : 55,7 cm. Abzug für den Drucker außerhalb der Auflage von 5 Künstlerexemplaren. Vgl. Bloch 686 (datiert 1-29. Mai 1951; gedruckt in ocker und schwarz); Vgl. Mourlot 201 ("Abgezogen durch Druck der Zinkplatte vom 12. März in dunklem Ocker und des Steins vom 21. Mai in schwarz auf ockerfarbenem Grund"); vgl. Rau 532 (datiert auf 21.5.1951. "Schwarz: unveränderte Platte von 531; Braun: unveränderte Platte von 524; Ocker. Tonplatte (Stein)"; vgl. Reuße 581 [hier: 16. Zustand] (datiert in der Darstellung unten links:  27.5.1951).

Zustand IX: lavierte Feder- und Pinsellithographie von der Zinkplatte auf Vélin d'Arches (mit Wasserzeichen), in der Platte seitenverkehrt datiert, 20. 5. 1951. 45,4 : 55,8 cm auf 50 : 65,2 cm. Abzug für den Drucker außerhalb der Auflage von 5 Künstlerexemplaren. Bloch 686; Mourlot 201; Rau 533 ("Wie Picasso auf eine neue Platte zeichnete, so erweiterte er das Motiv um Gestalten am linken und rechten Rand der Komposition"); Reuße 582 [hier 17. Zustand].

Zustand X (endgültiger Zustand): Abzug in vier Farben von 4 Platten auf ockerfarbenem Vélin d'Arches (mit Wasserzeichen). 45 : 55,8 cm auf 54 : 64,8 cm. Am oberen Rand kleiner Wasserrand, etwas gebräunt. Eins von 5 Künstlerexemplaren.

Provenienz: Zustand I, III, V, VII und IX Collection Mourlot (sämtlich recto mit dem Sammlungsstempel); Privatsammlung Westfalen

„1950/51 erschien in einer Pariser Tageszeitung ein Comic strip, in dessen Mittelpunkt Ivanhoe stand, die Figur aus Walter Scotts gleichnamigen, 1819 geschriebenen Roman. Hierdurch inspiriert schuf Picasso zahlreiche Zeichnungen von Rittern und Pagen. Im Januar und Februar 1951 entstanden drei  Lithographien ,Der kleine Ritter‘ (M 198) und ,Der Ritter und der Page‘ (M 200) sowie auch ein Gemälde mit dem Titel ,Pagenspiele‘. In Anlehnung an das Gemälde begann Picasso am 12. März 1951 mit der Lithographie ,Der Aufbruch‘, die er in zehn Zuständen verschiedener Farbe variieren sollte. Die Arbeit erfolgte mit Pinsel, Feder und Schaber auf Zinkplatten und auf Stein. Dargestellt ist wohl der Moment, in dem Ivanhoe zum Kreuzzug aufbricht. Der Ritter trägt eine kostbare, ornamentale Rüstung, in der Hand hat er das Schild: sein Pferd ist reich gepanzert; hinter ihm sein Knappe mit der Lanze. Rowena, die Ivanhoe liebt, läßt ihn nur ungern ziehen; vergebens streckt sie die Hände nach ihm aus. Links und rechts sind drei Figuren angebracht: eine Frau, vermutlich eine Gesellschafterin, mit offenem Buch; ein tonsurierter Mönch und ein sitzender Junge. Am 20. Mai 1951 hatte Picasso die Platte für das Schwarz zum zweitenmal völlig neu gezeichnet, diesmla auf größerem Format, so daß die drei erwähnten Randfiguren noch untergebracht werden konnten, außerhalb des Drucks von der Platte mit dem Rot. Picassos Darstellungen von Rittern und Pagen können mit entsprechenden Holzschnitten von Lukas Cranach d. Ä. in Verbindung gebracht werden, auf denen Turniere zu sehen sind. Picasso muß diese Blätter aufgrund seiner intensiven Auseinandersetzung mit dem Werk Cranachs gekannt haben. Vergleichbar ist die Wiedergabe von Ritter, Pferd und Pagen, hier wie dort findet sich die gleiche ornamentale, kostbare Gestaltung von Rüstung und Waffen. Abgesehen von den formalen Anlehnungen hat Picasso auch etwas von der Stimmung der Bilder Cranachs in seine Darstellungen übertragen“ (Madgalena M. Moeller, Picasso. Druckgraphik, illustrierte Bücher, Zeichnungen, Collagen und Gemälde aus dem Sprengel Museum Hannover. 1986. S. 218)

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