Kunstkontor Dr. Doris Möllers

Dix, Otto (Untermhaus/Gera 1891 - 1969 Singen)

Frau Otto Mueller


Elsbeth Mueller, geb. Lüdke um 1923

Lithographie auf Zanders-Bütten, mit Bleistift signiert, datiert, nummeriert und als "Vorzugsdruck" bezeichnet, 1923. 48,5 : 38 cm auf ca. 58 : 39 cm. Werkverzeichnis: Karsch 57 a (von c). Eins von 15 Exemplaren, die als "Vorzugsdruck" bezeichnet sind, dazu weitere 15 auf Maschinenbütten und ca. 20 auf weißem Werkdruckpapier.
Der Rand etwas unregelmäßig, oben rechts mit kleinem Ausriss, verso Montierungsstreifen und Marginalien in Bleistift, insgesamt aber von sehr schöner Erhaltung.

Provenienz: Galerie Nierendorf; Privatsammlung Schleswig-Holstein.


Bei der Dargestellten handelt es sich um Muellers zweite Ehefrau Elbeth Lübke. "Infolge seiner übersteigert krampfhaften Suche nach Liebe, Geborgenheit und v. a. nach Familie (mit eigenem Kind), stürzt sich Otto Mueller (fast kopflos, weil als Single hilflos) in sein zweites Breslauer >Liebesabenteuer< (diesmal mit standesamtlichen Folgen) - zur schnellen Kompensation seiner zwei, erst vor einem halben Jahr total gescheiterten Beziehungen, gewiß auch aus Torschußpanik, v. a. aber dem Naturgesetz >Stirb und werde< getreu folgend und es (leider blind) befolgend: >Durch die Familie Rodenwald lernte er seine zweite Frau, Elisabeth Lübke (1902-1977) kennen und lieben. Da sie aus einem gut bürgerlichen Haus entstammte, glaubte er, in ihr die rechte Lebensgefährtin gefunden zu haben. Als er mir ihre Photgraphie zeigte, schwärmte er von ihrer Jugend und Schönheit, und mit welcher Liebe sie an ihm hinge. Sie sei froh aus der engen Bürgerlichkeit herauszukommen. Ihr zuliebe ließ er sich 1922 zum zweiten [recte: ersten] Mal kirchlich trauen< (Emmy Mueller, Erinnerungen. S. 27) Obwohl Elsbeth Mueller zunächst versucht, sich Otto Muellers >Frauen-Idealbild< (und Vorbild) Machka Mueller anzupassen - >sie trug die dunkelblonden Haare à la Maschka geschnitten (Marg Moll: Otto Mueller 1956. Typoskript im Archiv der Otto Mueller-Gesellschaft. S. 7), aber schon 1923 pechrabenschwarz gefärbt - und angeblich >an ihm hängt<, ist aufgrund des enormen Altersunterschiedes von 27/28 Jahren, aber auch wegen der Unvereinbarkeit der künstlerischen Bohème Otto Muellers, seiner >unheilbaren Unbürgerlichkeit< (Emmy Mueller), mit ihrer genuinen >Gutbürgerlichkeit<, bereits bei der Eheschließung (1922) das >Verfallsdatum< dieser Mesalliance-Ehe vorprogramiert. Trotz der Geburt des gemeinsamen Sohnes Josef (1925-1992) im Jahre 1925, wird Otto Muellers zweite Ehe bereits nach fünf Jahren im Oktober 1927 wieder geschieden." (Mück, Hans-Dieter, Otto Mueller. Band II des Kataloges zur Ausstellung in den Kunstsammlungen Zwickau, den Städtischen Museen Heilbronn und im Lehmbruck Museum Duisburg 2012/13. S. 115 f)

"Nach dem Ersten Weltkrieg konzentrierte sich Dix zunehmend auf wichtige Personen des Kunst- und Kulturlebens. Seitdem er Nierendorf kannte, entstanden vor allem lithographierte Portraits bekannter Persönlichkeiten, die Dix selbst nur flüchtig gekannt haben kann; Nieren dorf war der Verleger dieser Einzelblätter. [...] Weitere Arbeiten, die Personen aus dem Freundeskreis um Nierendorf zeigen, entstanden 1923 als großformatige Lithographien. Der Galerist konnte so die Protagonisten und die Freunde seiner Galerie in Form von Kunst anbieten: das Portrait des Malers und Bildhauers Otto Freundlich (Karsch 53), das der Frau des Malers Otto Müller [sic] (Karsch 57), des Komponisten und Chefdiriginten der Kölner Oper Otto Klemperer (Karsch 67) und des Kölner Kunstkritikers Alfred Salmony (Karsch 56) und den Schriftsteller Angermayer (Karsch 60)." (Stroble, Andreas. Otto Dix. Eine Malerkarriere der zwanziger Jahre. Berlin 1996. S. 114)
"Bei der Dargestellten handelt es sich um Müllers [sic] zweite Frau Elisabeth Lüdke, die er 1922 heiratete. Müller hielt sich seit der Trennung von seiner ersten Frau 1921 in Köln auf und könnte so näheren Kontakt u Nierendorf gehabt haben, der erst 1927 nachweislich Arbeiten in seiner Galerie ausstellte. [...] Der Kontakt zum älteren und bereits etablierten Müller war nie eng. [...] In einem undatierten Brief aus den zwanziger Jahren an seine erste Frau bemüht er sich im Kontakt zu Dix, den er gerne als Lehrer in Breslau gesehen hätte.“ (Stroble, Andreas. Otto Dix. Eine Malerkarriere der zwanziger Jahre. Berlin 1996. S. 114; Fußnote 331).



Katze und Hahn.

Farblithografie auf BFK-Rives (mit Wasserzeichen), mit Bleistift signiert, datiert und nummeriert, 1966.
Karsch 306/III.
Eins von 80 Exemplaren.
Farbfrischer Druck aus sieben Steinen.
Eine der gesuchtesten Graphiken aus dem Spätwerk von Dix.

1948 verdrängt die Lithografie im künstlerischen Schaffen von Otto Dix die Zeichnung als – neben der Malerei – wichtigstes Ausdrucksmittel. Einer der Hauptgründe hierfür ist Roland Ehrhardt. Der gelernte Drucker, Jahr- gang 1924, war von 1946 bis 1990 Leiter der Dresdener Druckwerkstatt und ab 1986 Dozent für grafische Techniken an der Hochschule für Bilden- de Künste in Dresden. Seit 1948 arbeitete Otto Dix, damals Ehrensenator und ehemaliger Professor der Dresdener Hochschule, einmal im Jahr für vier bis sechs Wochen mit Ehrhardt in Dresden zusammen. Durch sein farb- künstlerisches Empfinden, seine Experimentierfreudigkeit und seine Rat- schläge hat Ehrhardt entscheidend zum Endergebnis beigetragen. Die Ehrschätzung, die Dix gegenüber Ehrhardt hatte, kommt auch im folgen- den Zitat zum Ausdruck: »Ehrhardt kann die kompliziertesten Sachen drucken. Vor allem versteht er mit der Farbe umzugehen. Wir haben doch schon erlebt, dass der Druck ausdrucksvoller war als die gemalte Vorlage.«

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