Kunstkontor Dr. Doris Möllers

Slevogt, Max (Landshut 1868 - 1932 Neukastel)

Allegorie auf den Rhein

Kreidelithographie auf Bütten, mit Bleistift signiert, 1922. 23,6 : 18,2 cm auf 42 : 31,4 cm. Mit dem Blindstempel Bruno Cassirers. In keinem Werkverzeichnis.

Mit minimalen Altersspuren.

Sehr selten!

Provenienz: Sammlung Kohl-Weigand, St. Ingbert; Privatsammlung Saarland.

 

Löwenjagd

Kreidelithographie von der Zinkplatte auf festem Bütten, mit Bleistift signiert, nach 1914. 23 : 28 cm auf 30 : 39,6 cm. Mit den Trockenstempel der Neukasteler Presse und von Bruno Cassirer.

Provenienz: Sammlung Kohl-Weigand, St. Ingbert; Privatsammlung Saarland.

Das Motiv taucht spätestens 1907, nämlich in dem Gemälde "Löwenüberfall" auf und wurde wie häufig vom Künstler in verschiedenen Techniken variiert, so in dem Aquarell "Löwenjagd". Angeregt wurde er sicherlich durch entsprechende Bilder Eugène Delacroix', dessen großer Bewunderer er war. "Im Märchen und durch den Zauber sind die Grenzen des Faßbaren zum Ausgeliefertsein verschlissen. Innerhalb dieses Übergangsbereichs liegt für Slevogt auch die Zone der Todessituation. Die Wiederaufnahme des Sardanapal-Themas wird so zu begründen sein, und der 'Löwenüberfall', 1921, darf so verstanden werden. Slevogt hat jetzt, beim Forschen in den Randbezirken menschlicher Existenz, die in ihrer erschütternden Bedeutung immer mehr sein aufmerksames Fragenmüssen beschäftigen, auch ein inneres Verhältnis zur Mythologie gewonnen. [...] Der verlorene Krieg, die Isolierung in der Pfalz, die politische Umwälzung in Deutschland und die Depressionen über die Ohnmacht des Reiches sind der düstere Hintergrund der Iniative zu der Komposition 'Die gefesselte Germania', die 1922 gemalt ist und später in den Besitz von Slevogts Vaterstadt Landshut gelangt. Über die Einstellung Slevogts zum fortschreitenden Kriegsgeschehen haben die Lithographien der 'Gesichte' Auskunft gegeben. Ein zweiter Zyklus mit dem gleichen Titel entsteht 1918 bis 1922, wird aber nie veröffentlicht. Das Diktat der Siegermächte und die innerere Auflösung Deutschlands sind die Voraussetzungen." "Gesichte II, Folge von 8 Lithographien, entstanden 1918-1920, unveröffentlicht: 1. Niederbruch I; 2. Niederbruch II; 3. Deutschland am Scheidewege, zwischen den Gestalten von Vergangenheit und Zukunft; 4. Verkehrte Welt; 5. Klassenkampf; 6. Das Gespenst I; 7. Das Gespenst II; 8. Der Bourgeois (nur dieses letzte Blatt ist 1921 in der von der 'Freien Sezession' herausgegebenen Mappe mit Originalgraphik erschienen)." (Imiela, Hans-Jürgen, Max Slevogt. Karlsruhe 1968. S. 220 und Anm. 8).

In diesem Kontext ist unsere Graphik zu sehen.


Sturm

Kreidelithographie von der Zinkplatte auf festem Bütten, mit Bleistift signiert, nach 1914. 21 : 27 cm auf 30 : 39,6 cm. Mit den Trockenstempel der Neukasteler Presse und von Bruno Cassirer.

Provenienz: Sammlung Kohl-Weigand, St. Ingbert; Privatsammlung Saarland.

Hier könnte Slevogt durch Shakespeares "Sturm" inspiriert worden sein: "Den Einbruch überwirklicher Macht hat auch die zweite große Komposition Slevogts nach einem Shakespearschen Thema zum Inhalt: 'Der Sturm'. Ariel lenkt die Winde so, daß das Schiff des Königs am Ufer strandet. Der weise Zauberer Prospero hat den schuldigen Bruder in seine Macht befohlen, damit er, sein Vergehen bekennend, verzeihen kann und als Zeichen seiner Zuneigung das Symbol der Herrschaft über die außermenschlichen Kräfte, den Zauberstab, zerbrechen." (Imiela, Hans-Jürgen, Max Slevogt. Karlsruhe 1968. S. 219). Auch diesmal könnte Delacroix zur Komposition angeregt haben.

Dieses Blatt steht ebenfalls im Kontext der "Gesichte."


Tod auf dem Sarg

Kreidelithographie auf Bütten, mit Bleistift signiert und bezeichnet: "Probedruck Juli 1929". 32 : 23 cm auf 47 : 33,3 cm.

Provenienz: Sammlung Kohl-Weigand, St. Ingbert; Privatsammlung Saarland.

Vorliegende Lithographie wird eher entstanden sein, als das Datum annehmen läßt. Das Motiv steht in eingem Zusammenhang mit den Beiträgen für den "Bildermann" und der Mappe "Gesichte", also während des Ersten Weltkrieges entstandener Arbeiten. In einem Katalog (Nr. 189) des Berliner Auktionshauses Max Perl von 1935, in dem ausnehmend zahlreiche graphische Blätter Slevogts angeboten wurden, findet sich unter Los-Nummer 1934: "Tod auf einem Sarg (Unverwendetes Blatt zu den Gesichten). Litho auf Kupferdruck. Quer-Kl.-Folio. Signiert und datiert: Landau 18. Probedruck". Dieses läßt weitere andersformatige Graphiken in diesem Kontext vermuten, die letzlich nicht publiziert wurden. Auf Anfrage bezüglich einiger noch nicht identifizierter Graphiken aus der Sammlung Kohl-Weigand, antwortete uns Dr. Sigrun Paas, langjährige Leiterin der Slevogt-Galerie in Edenkoben: "die 3 Blätter kenne ich alle, sie befinden sich auch im Nachlass, den Rheinland-Pfalz gerade im Ankauf verhandelt.. Sie gehören zu Einzelblättern, zu denen es noch kein Werkverzeichnis gibt u. wovon ich hoffe, daß entweder mein Kollege oder ich in den nächsten Jahren eines erstellen können. Vom Kettenschwinger ohne Kopf  gibt es noch eine Version, wo der Kopf noch auf dem Rumpf ist - das war für den Bildermann gemacht, der in den Kriegsjahren bei Paul Cassirer rauskam, aber Ihr Blatt ist, wenn ich richtig lese, von Slevogt mit "Probedruck Juli 29" bezeichnet und es hat ganz eindeutig einen politischen Bezug, den man noch erforschen muß." 

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