Kunstkontor Dr. Doris Möllers

Pechstein, Max (Zwickau 1881 - 1955 Berlin)

Am Ufer.

Kaltnadelradierung mit Riffelfeile und Pinselätzung auf , mit Bleistift signiert, 1920. 20,5 : 26,5 cm auf 31 : 41 cm.
Krüger R 116. Aus der Auflage von insgesamt 125 Exemplaren für die Mappe "Die Schaffenden", 3. Jahrgang, 1. Mappe.
"Wie an Pechsteins Aktdarstellungen der Jahre 1906 bis 1920 ersichtlich wird, suchte er die umittelbare Erfassung des Aktes und die ästhetische Bildreflexion mit einer umfassenden Befragung der Bildtradition zu vereinbaren. Über das Zeichnen des ruhenden sowie des bewegten Aktes gelangte er schließlich zur Darstellung der Badenden im Freien. Aus der Erfassung der Akte sprach stets sein persönliches Empfindungserlebnis. Die Formwerdung des inneren Erlebnisses war verbunden mit der Suche nach einer neuen Ästhetik." (Buschhoff-Leineweber, Studien zum graphischen Werk von Max Pechstein (1905-1921). Bremen 2004. S. 90)


Nach dem Bade

Kaltnadelradierung auf Bütten, mit Bleistift signiert, 1920. 26,5 :  21,8 cm auf 42 : 31 cm. - Aus der 1. Mappe des IV. Jahrgangs der "Schaffenden" 1922/23, mit dem Blindstempel der "Schaffenden". - Eins von 100 Exemplaren (Gesamtauflage 125).  - Krüger R 118. Söhn HDO 72709-8. - Vorzüglich erhaltener, sehr nuancierter Abzug dieses wunderbaren Blattes.


Ohne Titel (Fischerboote auf der Leba).


Pechstein malt im Hafen von Leba (1936)

Kreidezeichnung auf Vélin, mit Bleistift monogrammiert und datiert, 1936. 28,5 : 37,7 cm. Verso mit Nachlaßnummer 1246 und Monogramm der Schwiegertochter Doris Metz Pechstein "DMP 68".
In den Ecken verso Klebespuren, recto etwas durchscheinend. Am oberen Rand Perforierung.
Provenienz: Galerie Rosenbach, Hannover; Privatsammlung Wuppertal.
Pechstein reiste von 1921 bis 1945 regelmäßig an die pommersche Ostsee in den auf einer Nehrung liegenden Ort Leba. Hier mündet der Fluß Leba, der den Lebasee mit der Ostsee verbindet. Mitte Mai 1936 brach er erneut nach Leba auf, wo er bis Anfang November bleibt. Währenddessen wurde eine Ausstellung im Hamburger Kunstverein, an der auch Pechstein beteiligt war, nach 10 Tagen zwangsweise geschlossen und die SS-Wochenschrift 'Das Schwarze Korps' schrieb im Oktober über ihn: "Für uns ist er immerhin der Betriebsrat, ja einer der Anstifter der roten Kunstrevolte, der Gründer jener Novembergruppe, die mit ihrem Unrat die Ausstellungen verschmutzte. [...] Wir sehen in ihm nicht einmal einen richtigen Bolschewisten, sondern nur eine Null, die dadurch zu einer 'bedeutenden' Nummer wurde, daß sie viele andere Nullen hinter sich sammelte und sich hinter einige politische Ziffern stellte - und zwar hinter eine negative!" Auch in Leba fühlte sich Pechstein unter Beobachtung, weshalb er die Einsamkeit des weiten Landes schätzte, in dem er zeichnet und angelt (Soika verzeichnet kein in 1936 entstandenes Gemälde!). Das Hinterland besteht aus großen Wäldern, Feldern, Flüssen und Seen und wurde vor allem in der Zeit des Dritten Reiches sein zweites Zuhause. Die hier entstandenen Zeichnungen zeigen noch einmal eine große Expressivität. In vorliegendem Blatt zeigt sich zudem der Einfluß Van Goghs, den Pechstein sehr verehrt hat. "Van Gogh", so pflegte Max Pechstein zu sagen, "ist der Vater von uns allen." Schon 1905 hatte er eine Van-Gogh-Ausstellung in Dresden besucht und stand seitdem unter seinem Bann. Besonders im Einsatz der gestischen Strichführung und der expressiven Sonnendarstellung besteht hier eine tiefe Seelenverwandtschaft.

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