Kunstkontor Dr. Doris Möllers

Kollwitz, Käthe (Königsberg 1867 - 1945 Moritzburg)

Betendes Mädchen

Strichätzung, Kaltnadel und Aquatinta in braun auf dickem Velin, 1892. 19,4 : 14,8 cm auf 35,4 : 26,7 cm. Mit dem Münchner Blindstempel von der Beckes.
Knesebeck 14 V b (von V b).
Aus den Auflagen von der aufgearbeiteten Platte zwischen 1963/65 und 1972.
Wie bei anderen frühen Radierungen, die vor dem Weberzyklus entstanden, dachte die Künstlerin noch nicht an einen Verkauf, weshalb Abzüge aus der Entstehungszeit der Platte, die im übrigen von Anfang an schwere Kratzer erlitten hatte, äußerst selten sind.
Provenienz: Käthe Kollwitz Museum Köln (verso mit Sammlungsstempel und "als Doublette ausgeschieden" gekennzeichnet)


Das Opfer.

verkauft

Holzschnitt auf Japanbütten, mit Bleistift signiert und nummeriert, 1922. 37,1 : 40,2 cm auf 47,5 : 65,2 cm.Knesebeck 179 IXb (von IX d).
Blatt 1 der auf 100 Exemplare nummerierten Mappe "Krieg", einer Folge von 6 Holzschnitten. Falzbeindruck (von Hand abgezogen, ohne Druckerpresse), auf Birnbaumholz geschnitten.
Am unteren Rand leichter Fleck, sonst ausgezeichneter Druck des großformatigen Holzschnittes in sattem Schwarz.
"Das Opfer bezeichnet die freiwillige Hingabe des Kindes durch die Mutter an den Krieg. In einem Brief an Dr. Hermann Friedeberg vom 24. März 1922 erwähnt Kollwitz erstmals den Zyklus und dabei auch 'Das Opfer', das allerdings unter den Themen erst an sechster Stelle aufscheint, was so zu deuten ist, dass es als sechstes Blatt geschaffenw urde. Es zeigt die vor dunklem Grund stehende nackte Mutter, die mit verschränkten Armen ihr gerade abgenabelter Sägling einem hellen Lichtbogen entgegenhält. Die Ikonographie des Blattes ist nicht unfrei von traditionellen Marienikonographien, wo gerade in der Darstellung des Apokalyptischen Weibes es zum Hochheben und somit Exponieren des Kindes Kommt. Da Kollwitz gerade Peter Paul Rubens schätzte, dessen Arbeiten sie während ihres Studienaufenthaltes in München kennen lernte, kann die Anregung durchaus von seinem Werk ausgegangen sein. Das von Rubens gemalte Hochaltarblatt im Freisinger Dom bringt eine vergleichbare Komposition. Das Thema selbst beschäftigte Kollwitz bereits 1915. In einer Tagebuchnotiz vom 30.9.1919 hält sie fest: 'Hab heute eine Skizze gemacht: das >alte< Opfer. Die junge Mutter, die ihr Kind darbietet, aber die die Füße kaum tragen. Sollte auch das nichtals Steindruck in ein paar Linien möglich sein?" (Käthe Kollwitz. Katalog der Ausstellung im Diözesanmuseum Hofburg Brixen 2007. S. 122).


Die Gefangenen

verkauft

Kaltnadelradierung mit Strichätzung, Schmirgel sowie Vernis mou mit Durchdruck von Stoff und Zieglerschem Umdruckpapier auf Velin 1908.
32,7 : 42,8 cm auf 45 : 59,5 cm.
Knesebeck 102 X a (von X b).
Aus den Auflagen von der aufgearbeiteten Platte zwischen 1946/48 und 1963/65.
Blatt 7 aus dem Zyklus "Bauernkrieg".
Provenienz: Käthe Kollwitz Museum Köln (verso mit Sammlungsstempel und "als Doublette ausgeschieden" gekennzeichnet).
"Als Vereinsgabe der Dresdner 'Verbindung für historische Kunst' konnte Käthe Kollwitz im Jahre 1908 ihren Zyklus 'Bauernkrieg' an die Öffentlichkeit bringen. Sie war damals auf der Höhe ihrer Schaffenskraft. Souverän wußte sie alle Verfahren einzusetzen, die die Technik des Radierens dem Künstler bietet. Die Bildfolge - sieben Blätter umfassend - ist ein bewunderswerter, ein großer Wurf - dabei jedoch wie alles, was Käthe Kollwitz schuf, denkbar gewissenhaft erarbeitet. Über viele Jahre rang die Künstlerin mit ihrer Aufgabe, dem selbstgewählten Stoff. Was sie schon überzeugend formuliert hat, steht uns kraftvoll, ohne eine Spur vorangeganger Mühe, vor Augen. [...] Die Künstlerin las damals Wilhelm Zimmermanns 'Allgemeine Geschichte des großen Bauernkrieges' (1841/43) [...]. Schon früher aber muß ihr auf Grund ihrer Herkunft, vermittelt durch den Bruder Conrad und ihren Mann, bekannt gewesen sein, welche Rolle der Bauernkrieg für das Selbstverständnis der deutschen Arbeiterbewegung spielte [...]. Es ehrt die Verantwortlichen innerhalb der 'Verbindung für historische Kunst'. daß sie den außerordentlichen Rang dieses Blattes [gemeint ist die Radierung 'Aufruhr'] erkannten und daraufhin 1904 den förmlichen Auftrag für den Zyklus zum Thema Bauernkrieg erteilten. [...] Die Folge der Radierungen führt ein Geschehen voll innerer und äußerer Dramatik vor Augen - und zwar so eindringlich, so zwingend, daß es der Erklärung kaum bedarf. [...] Das letzte Blatt der Folge (Die Gefangenen, 1908) gehört mit der Darstellung des Schlachtfeldes unmittelbar zusammen. Es zeigt nach den Toten nun die Überlebenden, die als Gefangene, gefesselt und zusammengefercht wie Schlachtvieh, ihrer Verurteilung entgegensehen. Wie an der Spitze der Losbrechenden, so ist hier - vorn rechts - ein dem Kindesalter noch nicht entwachsener Junge gezeigt, der entkräftet in sich zusammensinkt und mehr noch als die Männer zum Mitleiden auffordert. (Peter Kollwitz, der jüngere Sohn der Künstlerin, der 1914 als Kriegsfreiwilliger fallen sollte, stand für diese Figur Modell.) Die Gestalten rings um das Kind wirken gedemütigt, niedergedrückt, resigniert. Einzelne Blicke, die aufwärts gerichtet sind, sprechen nicht von ungebrochener Willenskraft, sondern von Verzweiflung. Die Zusammenordnung der Gefangenen unter eine Horizontale steigert den Eindruck der Beugung und Fesselung allen Widerstandes. Die aus Not und Leid entwachsene Empörung endet in Not und Leid, in einem wiederum unfreien Dasein.
So stellt Käthe Kollwitz im gedrängten Geschehen ihres Zyklus' den Bauernkrieg als eine zutiefst gerechtfertigte, dann blutig niedergeschlagene Empörung vor Augen - als das also, was diese Erhebung tatsächlich gewesen ist." ." (Guratzsch, Hedwig, Hrsg., Käthe Kollwitz. Druckgraphik, Handzeichnungen. Plastik. Katalog der Ausstellung im Wilhelm-Busch-Museum Hannover und der dem Museum Ostdeutsche Galerie Regensburg 1990/1991. S.14ff).


Ende

Strichätzung, Aquatinta, Schmirgel und Polierstahl in Schwarz auf Kupferdruckpapier, mit Bleistift signiert und nummeriert, ebenfalls vom Drucker Otto Felsing signiert, 1893/97. 24,7 : 30,6 cm. Knesebeck 38 IIb (von V c) (kennt nur Abzüge in Braun).
Sechstes und letztes Blatt des Zyklus "Ein Weberaufstand".
Vorzüglicher Abzug von 1918 aus einer Auflage von 50 Exemplaren.
Eine am Webstuhl sitzende Frau trauert in sich gekehrt um die am Boden liegenden toten Weber, während zwei Männer unter den traurigen Blicken einer Frau einen weiteren Toten hereintragen. Der Aufstand ist zerschlagen.


Selbstbildnis nach rechts

verkauft

Kreidelithographie auf festem gelblichem Papier, in Bleistift vom Sohn der Künstlerin bezeichnet: "Aus dem Nachlaß Käthe Kollwitz, Hans Kollwitz", um 1938. 47,5 : 30 cm auf 72,5 : 48 cm.  Knesebeck 273 wohl b (von d).

Es handelt sich hier um das letzte Selbstbildnis der Künstlerin, von dem bisher nur zwei  signierte Abzüge bekannt sind. Der Lithostein wurde nach dem Krieg wiederentdeckt und so beschloß man 1946 eine Auflage von 30 und 1947 eine weitere von 220 Exemplaren auf diversen Papieren zu drucken, bevor der Stein unbrauchbar gemacht wurde.

Selten hat die Künstlerin sich in einem Halbfigurenbild dargestellt. Mit hinter dem Rücken verschränkten Armen und müdem Blick scheint sie sich dem Schicksal zu stellen. Sie ist gut siebzig Jahre alt und schon ein wenig gebrechlich. Meisterhaft hat sie ihr Konterfei mit sehr flächigen Kreidestrichen festgehalten, die Partien im Gesicht durch markantes Hell-Dunkel akzentuiert. Diese monumentale Selbststudie zeigt auf ergreifende Weise die Todesangst und Todessehnsucht der Künstlerin.

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