Kunstkontor Dr. Doris Möllers

Münter, Gabriele (Berlin 1877 - 1962 Murnau)

Ohne Titel (Frau mit Kind, eventuell Großmutter mit Enkelkind oder Kinderfrau mit Kleinkind, darunter Studie eines weiteren Kinderkopfes).

Bleistiftzeichnung auf dünnem Zeichenpapier, verso mit Nachlaßstempel, darunter in Bleistift "Kon. 32/1", sowie "Bremen Nr. 6", ab 1901/02. 23,3 : 17,5 cm auf 32,4 : 25 cm.

Provenienz: Nachlaß Gabriele Münter, Murnau; Sammlung Kerstan, Süddeutschland. Privatbesitz Pfalz.

Ausstellungen: Gabriele Münter. Aquarelle und Handzeichnungen. Katalog der Ausstellung in der Kunsthalle Bremen 1973. Nr. 6 (hier bezeichnet: Mutter und Kind)

Am linken Rand fachmännisch restaurierter Einriss, im ehemaligen Passepartoutausschnitt leicht gebräunt.

"Zeichnen ist mir eine Lust geblieben und nicht deshalb deshalb geringfügig geworden, weil die Farbenwelt noch bezaubernder ist. " (Gabriele Münter, Bekenntnisse und Erinnerungen 1952).

Kinderbildnisse erscheinen im Oeuvre  Gabriele Münters immer wieder, besonders im Frühwerk. Schon auf der Amerikareise 1898 zeichnete und fotografierte sie speziell den Nachwuchs der Verwandten. Ebenso war ihre 1903 geborene Nichte Elfriede (Friedel) Schroeter ein häufiges Modell.Viele Arbeiten aus dieser Zeit sind - wie ihr Frühwerk insgesamt - etwas in Vergessenheit geraten und seltener publiziert.
1901 begann sie mit dem Kunststudium, um ihr mehrfach attestiertes Zeichentalent (auch Kandinsky wurde schon bei ihrer ersten Begegnung darauf aufmerksam) weiter ausbilden zu lassen.
In dieser Zeit entstand wohl unsere Zeichnung, die schon  ihre Neigung erkennen läßt, auf Modellierung zugunsten der reduzierten Umrisslinie zu verzichten, was in späteren Arbeiten  zu äußerster Vereinfachung führt. Sparsamkeit im Strich - Präzision im Ausdruck belegen die Qualität ihres zeichnerischens Könnens. "Doch unmittelbar konnte meine schon mitgebrachte Neigung, die Wirklichkeit mit sparsamem Abriß, im Umriß der Dinge zu fassen, noch nicht viel Beschäftigung und Anregung empfangen. [...] In den Kunstschulen aber herrschte noch viel alte Gewohnheit. Wenn ich schlichten Umriß gemacht hatte, hieß es, nun gehöre auch noch Schattierung hinein, und wenn ich dem nachgab, gefiel mir meine Zeichnung nicht mehr." (Gabriele Münter, Bekenntnisse und Erinnerungen 1952).

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