Kunstkontor Dr. Doris Möllers

Jansen, Franz M. (Köln 1885 - 1958 Büchel / Siegkreis)

Jansen begann 1905 an der Technischen Hochschule in Karlsruhe mit einem Architekturstudium, bevor er 1907 bei Otto Wagner in Wien Meisterschüler wurde. Er gab die Ausbildung jedoch zugunsten der Malerei auf und kehrte 1909 nach Köln zurück, wo er in den Deutschen Künstlerbund eintrat. 1911 gehörte er zu den Gründungsmitgliedern der Kölner Sezession und des Gereonklubs, im Jahr darauf trat er der Berliner Sezession bei. Besondere Impulse emhielt der Künstler auf der legendären Kölner Sonderbund-Ausstellung, auf der die künstlerische Avantgarde Europas vertreten war. Er schreibt: "Welch ein Umbruch, welch eine Revolution! Der absolute Kontrast zur >Scheinmonumentalität< des Reiches draußen."
Jansen wurde im Sommer 1913 von August Macke eingeladen, neben 15 weiteren Künstlern an der "Ausstellung Rheinischer Expressionisten" im Kunstsalon Friedrich Cohen in Bonn teilzunehmen, durch die sich erstmals die Avantgarde im Rheinland präsentierte. 1914 zeigte das Kölner Wallraf-Richartz-Museum seine erste Einzelausstellung. Der Erste Weltkrieg schärfte seinen Blick auf Not und Elend, was er in eindrucksvollen Graphikzyklen wiedergab. Zu Beginn der 20er Jahre stand er den Kölner Progressiven nahe, doch wechselte sein Augenmerk von gesellschaftskritischen Themen zu Porträt und Landschaft, die er im neusachlichen Stil wiedergab. Diese Kunstform verhalf ihm im Dritten Reich zu einigen öffentlichen Aufträgen und Ausstellungsteilnahmen. Gleichzeitig wurden 157 Arbeiten (vor allem Holzschnitte für die Zeitschrift "Die Aktion") als entartet beschlagnahmt und ein Holzschnitt aus dem Besitz des Wallraf-Richartz-Museums in München auf der Ausstellung "Entartete Kunst" gezeigt. 1946 gehörte Jansen zu den Gründern des Rheinisch-Bergischen Künstlerkreises. Posthum stellte man einige seiner graphischen Werke 1959 auf der documenta 2 in Kassel aus.

Hier finden Sie weitere biographische Angaben

Il Mare 1

Tuschfederzeichnung auf glattem Zeichenkarton, mit Tinte monogrammiert und datiert, verso mit Tinte betitelt und mit Nachlaßstempel sowie der in Bleistift eingefügten Nummerierung "309", 1913. 25,3 : 34,9 cm. Bis auf kleine Braunfleckchen schön erhalten.

Provenienz: Galerie Remmert und Barth, Düsseldorf; Privatsammlung England.


Von März bis Mai 1913 reiste Jansen nach Italien und besuchte den Gardasee, Venedig, Florenz und Fiesole. In Venedig entstand sein erster Graphikzyklus "Die schwarzen Gondeln".


Il Mare 2

Tuschfederzeichnung auf glattem Zeichenkarton, mit Tinte signiert ("Jansen Cöln") und datiert, verso mit Tinte betitelt und mit Nachlaßstempel sowie der in Bleistift eingefügten Nummerierung "243", 1913. 25,3 : 34,9 cm. Bis auf kleine Braunfleckchen schön erhalten.

Provenienz: Galerie Remmert und Barth, Düsseldorf; Privatsammlung England


Schon während seines Architekturstudiums begann Jansen zu malen und wurde dabei von verschiedenen Kunstformen beeinflusst. Durch seinen Aufenthalt in Wien kam er mit dem Jugendstil in Berührung, Auch die Werke von Hodler und Munch rezepierte er sehr intensiv. Von besonders nachhaltiger Wirkung aber war die Malerei van Goghs, besonders dessen Landschaftsdarstellungen, mit denen sich Jansen seit 1910 intensiv auseinandersetzte. Auch auf unseren Zeichnungen läßt sich der Einfluß in dem sehr gestischen Strich, mit dem das Meer, das Ufer und die Vegetation moduliert werden. Hier ist der Graphiker Jansen in seinem Element und gibt der Linie die größt mögliche Dynamik.

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