Kunstkontor Dr. Doris Möllers

Masereel, Frans (Blankenberghe 1889 - 1972 Avignon)

Femme à la cigarette

Öl auf Leinwand, unten links monogrammiert und datiert, 1923. 43,3 : 34,3 cm.
Bis auf leichtes Craquelé schön erhalten.

Provenienz: Rheinische Privatsammlung.

Dargestellt ist die dreiundzwanzigjährige Paule Thomas, die Tochter von Masereels Frau Pauline, die er am 23. Februar 1921 in Genf geheiratet hatte. Masereel hatte Pauline Imhoff, Tochter eines Fabrikdirektors wohl 1909 in Paris kennengelernt.

 

VERKAUFT

Pauline war beinahe elf Jahre älter als Frans. Sie ist 1878 in Randonnai im normandischen Departement Orne geboren, in der Bretagne aufgewachsen und hat 1899 in Gent Adolphe Auguste Thomas geheiratet. Die Ehe war übrigens von kurzer Dauer, denn Thomas ist 1908 nach Brüssel umgesiedelt und hat Pauline mit ihrem achtjährigen Töchterchen Paule in Gent zurückgelassen.“(Parys, Joris van, Masereel. Eine Biographie. Zürich 1999. S 40)

1923 malt Masereel mehrere Porträts von Mutter und Tochter. Paule Thomas hatte im Juni 1922 den Bankangestellten Georges Kustner geheiratet und sich in Genf niedergelassen.
Das Bild steht am Beginn von Masereels internationalem Erfolg als Maler.  Durch die Galerie Billiet in Paris  werden seine Werke lanciert: „Die sechs Masereel-Ausstellungen, die Billiet zwischen 1922 und 1928 veranstaltet, sorgen dafür, dass Museumsdirektoren und Kunsthändler sowohl den Maler als auch den Grafiker Masereel kennenlernen, und natürlich profitiert auch die Galerie von seinem Erfolg. Ausser seiner Zusammenarbeit mit Billiet hat Masereel seine zunehmende Bekanntheit vor allem Stefan Zweig und Carl und Thea Sternheim zu danken, die es als eine Ehrensache betrachten, dem Werk ihres flämischen Freundes internationale Anerkennung zu verschaffen. >Ich sagte schon Billiet, dass ich es an der Zeit hielte, eine gesamte Ausstellung deiner Werke in Deutschland oder Böhmen zu machen.<, schreibt Zweig im Juli 1923. >Mein Freund Cumill Hoffmann kann das in Prag leicht durchsetzen, und wir würden dann die Ausstellung gleich nach Wien weiterschicken, vielleicht sogar nach Budapest.<“ (Parys, Joris van, Masereel. Eine Biographie. Zürich 1999. S. 182)


„War nachmittags in der Galerie Billiet, die neuen Masereel Bilder zu sehen. Du kannst Dir nicht denken, wie herrlich seine letzten Porträts sind - man soll die Reproduktionen verbrennen, so leblos und farbtot wirken sie. Ich bin grenzenlos begeistert, und ein grosses Bild hätte ich leidenschaftlich gern gekauft, aber lieber lass ich mich doch von M. portraitieren.“  (Stefan Zweig an Friderike Zweig im Januar 1924)


„An seinem 35. Geburtstag, am 30. Juli 1924, schreibt er [Masereel] Georg Rheinhart, dass er als Maler die gleiche Intensität und Expressivität erreichen wolle wie in seinen Holzschnitten. Von seinen ersten Pariser Bildern sagt er, dass die Farben >sehr streng und schlicht sind und ziemlich spanisch anmuten.< Dies gilt besonders für das erste gemalte Selbstporträt, in dem Ocker- und Grautöne vorherrschen, und für ein Dutzend anderer Porträts, mit denen er 1923 anfängt, sich als Maler selbst zu entdecken - es handelt sich um Pauline, Paule, Le Fauconnier, Léon Werth und Georg Reinhart, der im November zum Posieren nach Paris kommt. [...] Ein gutes Porträt, findet Masereel selbst, ist ein Porträt, das dem Publikum beim ersten Blick einen richtigen Eindruck gibt, sowohl von der Persönlichkeit als auch von dem gesellschaftlichen Hintergrund des Porträtierten. Daher ist das Porträt Paulines aus dem Jahr 1923 ein elegantes Werk im Sinne der Ecole de  Paris [...] Die Porträts sind die ersten Bilder, mit denen Masereel sich als Maler vom direkten Einfluss seiner Grafik befreit, aber das heisst nicht, dass eine solide Zeichnung als Basisstruktur seiner Bilder nicht weniger wichtig würde.“ (Parys, Joris van, Masereel. Eine Biographie. Zürich 1999. S. 189)

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