Kunstkontor Dr. Doris Möllers

Heckel, Erich (Döbeln 1883 - 1970 Radolfzell)

Akrobat

Ölkreide und Aquarell über Bleistift auf Vélin, rückseitig mit Bleistift signiert, um 1910. 15,7 : 10 cm. Bis auf rückseitige Montierungsreste vorzüglich erhaltene ausdrucksstarke Studie in gekonntem, schnellem Strich. Diese chiffreartige Zeichnung zeigt genau die Unmittelbarkeit, um die sich die Brücke-Maler immer bemühten.
Die Authentizität des Blattes wurde von Hans Geissler (Erich-Heckel-Stiftung) mündlich bestätigt.

Provenienz: Hessische Privatsammlung.
"Der Auftritt des 'Millmann-Trios' im Dresdner Varieté 'Salon Victoria' im November 1909 faszinierte Erich Heckel und Ernst Ludwig Kirchner gleichermaßen und sie beschäftigten sich mit den Darbietungen der Drahtseilartisten in Zeichnungen, Druckgraphiken und Gemälden. [...] Artistische Darbietungen in Circus und Varieté begeisterten Erich Heckel von der Jugendbis ins hohe Alter. Hans Hess, der Sohn des Sammlers Alfred Hess, erinnert sich an die Zeit, als Heckel - er war damals mit den Wandmalereien im Erfurter Museum beschäftigt - im elterlichen Hause wohnte: 'Kam aber ein Zirkus in die Stadt, dann ging er (Heckel) in den Zirkus. Er freundete sich mit dem dummen August den Clowns und Akrobaten an, setzte sich auf eine Tonne und zeichnete. Ich glaube, er hätte selbst ein Clown werden können." (Faszination Zirkus. Katalog des Museums Buchheim. Feldafing 2010. Nicht paginiert).

Frau mit Halstuch

Kreide-Lithographie auf bräunlichem Japan, mit Bleistift signiert und datiert, unten links betitelt, 1907. 32,8 : 27,5 cm auf 39,3 : 31,3cm. Vor Dube L 8 I. Wir kennen nur ein weiteres Exemplar in einem späteren Zustand im Brücke-Museum, Berlin.
Ohne das Monogramm und die Jahreszahl im Stein, vor der Verstärkung der Linien des Hintergrundess und der Verdichtung der Zeichnung auf dem Körper zu einer schwarzen Fläche.
Provenienz: Sammlung Walter Kern, Davos (recto und verso mit Sammlungsstempel).

Walter Kern (Küsnacht 1898 - 1966 Uttwil) war schweizer Maler, Kunstkritiker und Schriftsteller.

"Mit Kreide und Pinsel zeichnete Heckel seine Erlebnisse auf den Stein und gewann mit seiner Freude am Handwerklichen gerade in dieser Technik die verschiedensten Verfahren ab. Entweder beließ er dem Strich seine zeichnerische Härte, oder er verdünnte die Druckeschwärze mit Terpentin und erzielte dadurch durchsichtig graue Töne. Da der Druckvorgang in den eigenen Händen lag, entdeckten die Freunde immer neue Manipulationen. [...] Wenn man bedenkt, daß 135 Lithographien in den Jahren 1907 bis 1909 geschaffen wurden [...] so wird die Bedeutung der Steinzeichnung gerade in jenen Jahren offenbar. Hier vollzog sich scheinbar mühelos die Verschmelzung von Zeichnung und graphischer Technik. Der Stil ist zu Beginn weich fließend, strebt dann aber einem flächigeren, klaren Aufbau zu." (Erich Heckel 1883-1970. Gemälde, Aquarelle, Zeichnungen und Graphik. Hrsg. von Zdenek Felix. Katalog der Ausstellung im Folkwang Museum Essen und im Haus der Kunst München 1983/84. S. 58)
"Als kostbaren Besitz hatte er sich einen Stein zugelegt und erzählte, wie er wohl nachts, von den Eingebungen seiner Phantasie angetrieben, aufspringe, um die Visionen seines inneren Auges auf den Stein zu bringen, diese ätzte, einige Abzüge mache und ihn wieder abschleife, damit er wieder Neues aufnehmen könne." (Schiefler, Gustav, Meine Graphiksammlung. Hamburg 1974. S. 56).


Zinnien.

Aquarell über Bleistift auf festem Papier, mit Bleistift signiert, datiert und betitelt, 1946. 69,6 : 50,6 cm.


Provenienz: Villa Grisebach 1992, seitdem Privatbesitz Westfalen.


Im Mai 1944 übersiedelte Heckel nach der totalen Zerstörung seines Berliner Ateliers nach Hemmenhofen am Bodensee. Unser ausgesprochen farbfrisches Aquarell, das die Blumen vor dem Atelierfenster zeigt, scheint durch die heitere Farbigkeit die Erleichterung auszudrücken, dem Bombenhagel entkommen zu sein. Das Atelierstilleben bildet einen bedeutenden Werkkomplex in Schaffen des Künstlers. Dabei sind Zinnien Heckels beliebteste Gartenblume, die er in diesem großformatigen Aquarell in einem leuchtend gelben Krug aus größter Nähe malt.
2014 hat eine interessante Ausstellung zu diesem Motiv im Schloß Pillnitz stattgefunden: "Von Anemone bis Zinnie – Die Sprache der Blumen. Dresdner Malerei des 20. Jahrhunderts".


Anemonen


Heckel in seinem Atelier in Hemmenhofen

Kreidelithographie auf Bütten, mit Bleistift signiert und datiert, 1954. 28,1 : 27,3 cm auf 53 : 37,5 cm. Dube 360 II B. Eins von 237 Exemplaren für die Hamburger Griffelkunst.


Provenienz: Sammlung Dr. Josef Pieper, Münster.


Der breite Rand etwas gebräunt und mit Altersspuren.


Schon 1922 schuf Heckel eine ähnlich komponierte Lithographie (Dube 272). Akte in der Landschaft, gesehen durch ein Fenster mit Blumenstrauß auf der Fensterbank. Hier handelt es sich um den Blick aus dem Atelier in Hemmenhofen mit der idealisierten Darstellung dreier männlicher Akte.


Geschwister

Holzschnitt auf Bütten, mit Bleistift signiert, 1913. 41,7 : 28,7/31 cm auf 48,5 : 36 cm. Dube 260 II a (von b).

Wohl sehr früher Abzug vor zahlreichen Überarbeitungen vor der Auflage von 40 Exemplaren für die Mappe "Elf Holzschnitte" 1912-1919, Erich Heckel bei J. B. Neumann", Berlin 1921.  

Vorzüglich erhalten.

"Die paarige Darstellung von Menschen ist ein häufiger wiederkehrendes Motiv im Werk von Heckel [...]. >Die Geschwister< war auch 1911 das Thema eines Gemäldes (Vogt 1911/1), bei dem die geschwisterliche Beziehung Ausdruck im engen Zueinanderrücken der Figuren fand. Hier nun sind die Figuren, bei denen es sich um Siddi und ihren Bruder handelt, als Zeichen ihrer emotionalen Schutzbedürftigkeit und in Anlehnung an den Darstellungstypus der Muttergottes mit Kind - so eng verbunden, daß ihre Körperkonturen regelrecht miteinander verschmelzen." ("Brücke" und "Blauer Reiter" in der graphischen Sammlung des von der Heydt-Museums. Katalog der Ausstellung Wuppertal 1996/97, S. 79).

© 2017 Kunstkontor - Alle Rechte vorbehalten.