Kunstkontor Dr. Doris Möllers

Bernard, Emile (Lille 1868 - 1941 Paris)

Ohne Titel (Liegender weiblicher Akt)

Kohle und Pastellkreidezeichnung auf bräunlichem  Papier, mit Kohle monogrammiert, um 1886/89. 15 : 44 cm auf 31 : 48,4 cm. Verso mit einer angefangenen Bleistiftstudie sowie dem roten Stempel der Sammlung Jung.
Verso  Montierungsreste, sonst nur geringfügige Altersspuren.

Provenienz: Sammlung Richard Jung, Freiburg. Jung (1911 - 1986) war ein bedeutender Neurologe und auch Zeichnungssammler. Die Staatsgalerie Stuttgart besitzt einen Teil seines Vermächtnisses an Zeichnungen des 16. bis 18. Jahrhunderts.
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Vorliegende Zeichnung wird im Kontext mit einem ursprünglich dreiteiligen Fries für das Gartenatelier Bernards entstanden sein. Die Bilder wurden vor 1901 einzeln an Ambroise Vollard verkauft und gelangten in verschiedenen Besitz.
Auf dem im Pariser Musée d‘Orsay befindlichen linken Teil befindet sich ungefähr in der Bildmitte ein liegender Akt, der in sehr ähnlicher Haltung (mit angewinkeltem Bein, ein Arm vor dem Gesicht), nur spiegelbildlich zu unserem dargestellt.
Wie dem Katalog der Bremer Bernard-Retrospektive 2015 zu entnehmen ist, hatte Bernard schon während seiner Studienzeit im Atelier von Fernand Cormon 1886 ein großes Studienblatt mit Akten in Kreide und Tusche geschaffen. Sie bilden wohl den Auftakt zu einer Serie großformatiger Akte, die, angeregt durch Tizian und Michelangelo, in dem Bild „Nach dem Bad“ von 1908 seine Fortsetzung findet. Auch hier finden wir in dem mittleren Akt eine ähnliche Haltung wie auf vorliegender Zeichnung.


Badende mit roter Kuh. Öl auf Leinwand 1889. Musée d‘Orsay, Paris

Genua

Lavierte Tuschpinselzeichnung in braun auf festem bräunlichen Papier, mit Pinsel signiert und betitelt, 1893. 34,8 : 25 cm.
Bis auf leichte Randmängel sehr gut erhalten. Verso mit Marginalien und einem Pariser Zollstempel.

Provenienz: Westfälische Privatsammlung

Graf Antoine de La Rochefoucauld, Mäzen Bernards, ermöglichte es dem Künstler, 1893 nach Italien zu reisen, um die alten Meister kennenzulernen. Ende März besucht er die Sixtinische Kapelle, anschließend reist er für einen Monat nach Florenz. Im Mai reist Bernard nach Genua, von dort geht es nach Konstantinopel.
„Seine Reise nach Italien im Frühjahr 1893 öffnete Emile Bernard die Augen noch weiter für die >Primitiven<. In Rom enttäuschte ihn Michelangelo, der >kein Mystiker ist so wie ich es verstehe<. Seine Leidenschaft galt Giotto, Taddeo Gaddi, Lippo Memmi, Orcagna und vor allem Fra Angelico in Florenz, eine Vorliebe, zu der die Anwesenheit von Paul Sérusier und Jan Verkade in Florenz beigetragen haebn dürfte. In begeisterten Briefen versuchte er, das Missverständnis auszuräumen, dass die >Primitiven< ignorant seien. Was diese Künstler geleistet hätten, sei das Weiterreichen der >synthetischen Bildformeln einer ganzen Zivilisation<, die ihrerseits wiederum die Errungenschaften älterer Zivilisationen einbegriffen hätten. Das führe dazu, dass >in diesen alten Genies das Sublime vollständiger enthalten ist und uns mehr beeindruckt.<“  (Hansen, Dorothee, Hrsg., Emile Bernard. Am Puls der Moderne. Katalog der Kunsthalle Bremen 2015. S. 55)

 

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