Kunstkontor Dr. Doris Möllers

Jelich, Angelika (lebt in Münster und New York)

Transparency - Young couple at the water

Pigmentfarben auf Photofilm 2011. 60 : 60 cm.

Durch Farben sehen. Zur Kunst von Angelika Jelich

"Wir fordern heute für fast alles Transparenz: Transparenz der Politik,Transparenz der Wirtschaft, transparente Kommunikation – selbst Schweizer Bankkonten hätten wir gerne transparenter – Und schnell sind wir dann mit dem Satz bei der Hand: „Aber das ist doch nur oberflächlich – tatsächlich liegen die Dinge ja ganz anders.“ Vielleicht – ja. Es ist jedoch gar nicht so einfach, die Oberfläche der Dinge zu sehen. Anders gesagt: Es ist gar nicht so einfach, einfach zu sehen. Wenn Transparenz nun für uns Sichtbarkeit bedeutet, (wie) lässt sich Transparenz selbst sichtbar machen? Genau danach fragt die Kunst von Angelika Jelich und sie macht uns darauf aufmerksam, dass Transparenz bei der Wahrnehmung der Oberfläche beginnt, ja beginnen muss. Nur über die Wahrnehmung der Oberfläche erschließt sich mir Schicht für Schicht, Ebene für Ebene. Nur so kann ich verstehen, wie die eine Ebene die andere durchdringt, sie überlagert und unterlegt.

 

Transparency - Pennstation. Farbige Pigmente auf Photofilm 2012. 60 : 70 cm.

Wie eine Oberfläche aussieht, hängt nun wesentlich vom Lichteinfall ab. Sonnenlicht trifft auf eine Fassade und für einen Moment verändert sich die Farbe. Licht fällt durch ein Fenster und zeichnet farbige Muster auf Boden und Wände, Gegenstände werfen ihre Schatten; künstliches Licht von Reklametafeln, Verkehrssignalen oder Leuchtschriften spiegelt sich in der Luft und legt sich wie ein beweglicher Farbfilm über Häuser, Straßen, Plätze und Passanten. Einzelnes tritt vor und zurück, Gegenstände scheinen nah und dann wieder entfernt, Grenzen bilden sich heraus und verschwinden, Schattenfugen und Zwischenräume öffnen und schließen sich wieder.Solche Rhytmisierungen der Oberflächen durch farbiges Licht, wie wir sie wahrnehmen können, wenn wir durch die Stadt gehen, an Schaufenstern entlang oder eine Häuserwand hinaufblicken, oder auch umgekehrt wenn wir etwa durch die halbgeöffneten Jalousien eines Fensters auf die Straße schauen, interessieren die Malerin Jelich. Sie studiert und sammelt diese Eindrücke – nicht zuletzt in New York, wo die Künstlerin ihre zweite Heimat hat – und sie verarbeitet und deutet sie künstlerisch. Indem sie Versatzstücke aus Fotografien, Filmplakaten oder Werbung digital und zeichnerisch bearbeitet, neu miteinander kombiniert und dann mit farbigen Folien in vielen verschiedenen Schichten übereinander legt – und bisweilen in einem letzten Schritt noch einmal von Hand hineinarbeitet – entstehen leuchtende, plakative Bilder von großer Intensität und zugleich von hoher Fragilität – transparente Bilder; sie selbst nennt sie „Transparencies“. Die Transparencies lassen unseren Blick in immer neue Ebenen vordringen, ohne dass wir die eine als Hinter- oder Untergrund von der anderen trennen können. Anders als in traditionellen, perspektivisch aufgebauten Bildern gibt es hier keinen „Raum als Behälter der Dinge“, keinen Hintergrund für das Motiv, sondern beides erscheint wechselseitig durchlässig. Helle Farbpartien holen das Motiv nah heran, zeichnen es klar und akzentuiert, dunkle Bereiche erzeugen dagegen Vertiefungen und unbestimmte Schattenzonen. So wirken die Bilder trotz ihres letztlich streng flächenparallelen Aufbaus nicht plan, sondern eher verhalten bewegt und bewegend wie die Erinnerung an einen Film, eine Fotografie oder eine Begegnung. Und auch im übertragenen Sinne bleibt der Hintergrund in Jelichs Bildern offen. Ist das ein bekanntes Model, das Gesicht einer bestimmten Werbung? In welchem Verhältnis stehen die wie aus Zeitungen ausgeschnittenen Wörter, die ihr Gesicht rahmen, zum Bild? Sind sie Kommentar, und wenn ja, welcher Art? Sind die junge Frau und der telefonierende Mann Teil vielleicht einer berühmten Filmszene, kennen wir den Film? Oder sind sie von der Künstlerin aus unterschiedlichen Zusammenhängen einfach in einem neuen Bild zusammengeführt? Die ästhetische Qualität der Arbeiten liegt darin, dass sie einerseits solche Projektionen erlauben, ja dazu verführen, indem sie unser populärkulturelles Gedächtnis gezielt anregen, dass sie andererseits sich jedoch nicht darin erschöpfen. Sie bleiben erzählerisch offen, sie bleiben inhaltlich durchlässig, und sie lenken so unser Interesse immer wieder zurück auf die Art und Weise der künstlerischen Montage. In einer weiteren zu den Transparencies zählenden Werkgruppe bilden nicht Menschen sondern florale Motive den Gegenstand des Bildes. Kontrastiert mit giftiggrünen und violetten Farbfolien, die sich wie das Negativ eines Farbfilms über die in in Acrylglas gefassten Schwarzweißfotografien legen, entstehen Dioramen exotischer Fundstücke. Die Pflanzen werden zu ornamentalen Zeichen einer fremdartigen, einer künstlichen Natur. Während die Transparencies im weitesten Sinne urbane Phänomene, also Erscheinungen unserer städtischen Lebenswelt reflektieren, geht es in den von Jelich so genannten „Ritzbildern“ um unsere Erfahrungen mit der natürlichen Umwelt. Die ästhetische Anmutung dieser Leinwandbilder ist denn auch eine völlig andere. Dort sind es nicht die glatten Oberflächen von Lichtphänomenen, sondern haptische Oberflächen von geschichteter Farbe, in die von Hand regelmäßige Muster aus elementaren Formen wie Kreisen, Rauten oder Blüten eingeritzt sind. In den Transparencies der leuchtende Klang von Metropolen, in den Ritzbildern die leise Schwingung langsamer Wachstums- und Ordnungsprozesse. In den Transparencies die Signalfarben der Moderne, in den Ritzbildern die Mischfarben der Natur. Es sind beides Sinnbilder – fast so etwas wie Pole – unserer Zivilisation, Bilder, in denen ihre Oberflächen sichtbar werden." Von Karin Wendt


Gobelin Painting - Pattern 1

Mischtechnik auf Leinwand 2005. 152 : 67 cm.

Gobelin Paintings ist eine Serie von großformatigen Arbeiten auf Leinwand. Die locker an der Wand hängenden, nicht straff gespannten Leinwände und die gleichmässige Ordnung in der Aufteilung des Bildraumes lassen Bezüge zum “Gobelin” assoziieren. “Painting” verweist auf das Malerische: Das Material ist Leinwand, auf der in Mischtechnik sowohl in präzisem, feinem, aber auch malerisch freiem Duktus gearbeitet wird.
In den “Gobelin Paintings” gibt es drei Werkgruppen: “Abstracts”, Signs of nature“und “Pattern”.
In der Werkgruppe “Pattern” werden Reihungen aufgebaut. Diese Serie entstand anlässlich der Ausstellung “Momente – Fragmente, Kunst aus Westfalen 2005” im Westfälischen Museum für Archäologie, Landesmuseum in Herne. “Pattern” ist die Kurzform zum Bildsujet von Angelika Jelich: “ An ihren Mustern werdet Ihr sie erkennen.” Jede Zeit hat ihre eigenen, für sie typischen Muster. Man betrachte zum Beispiel die Musterungen in Tonkrügen, in Schmuckstücken und Werkzeugen aus ganz frühen Zeiten.
Die “Gobelin Paintings: Pattern“sind klar unterteilt, zeigen gleiche bzw. ähnliche Elemente. die an Naturformen oder an Gesichter erinnern. Es geht nicht um ein bestimmtes Gesicht oder eine bestimmte Pflanze. Diese Gesichter bzw. Naturformen werden in einer sich wiederholenden, gleichmässigen Anordnung dargestellt: Sie bilden malerische Muster.

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