Kunstkontor Dr. Doris Möllers

Le Beau, Allcide (Lorient/Bretagne 1873 - 1943 Sanary/Var)

Ohne Titel (Bretonische Landschaft)

Öl auf Leinwand, unten links signiert, um 1905/10. 31 : 38 cm.
Provenienz: Privatsammlung Südfrankreich

Bis auf kleines Craquelée sehr schön erhalten; im Impressionistenrahmen.

 

VERKAUFT

Biographie:

1886 Ausstellungsbeteiligung in der Galerie Le Barc de Boutteville, Paris
1903 Ausstellungsdebut im Salon des Indépendants
1902-1905 Teilnahme an den Gruppenausstellungen mit Picasso, Matisse, Marquet, Dufy, Derain in der Galerie Berthe Weill in Paris
1904 Ausstellung in der Galerie Durand-Ruel
1905 Beteiligung am Herbstsalon, wo er neben Matisse, Marquet, Vlaminck, Derain und van Dongen zum "cage aux fauves" (Dem Käfig der Wilden) gezählt wurde
1906 Ambroise Vollard vertritt Le Beaus Werke
1907 Einzelausstellung in der Galerie Druet, Paris
1908 Ausstellungsbeteiligung in der Galerie Blot
1909 Ausstellung im Salon de la Libre Esthétique in Brüssel
1911 Ausstellung in der Galerie La Boetie und bei Durand-Ruel
1914-18 verbringt den Ersten Weltkrieg in der Schweiz, um nicht wieder an die Front zu müssen, wo er eine Verletzung erlitten hat; verliert innerhalb kurzer Zeit Frau und Tochter
1918 Beteiligung an der großen Ausstellung für französische Kunst in der Galerie Moss, Genf
1920er Jahre zieht sich nach Südfrankreich zurück
1939 Ausstellung mit André Lhote und Maria Blanchard in der der Kunsthalle Bern
1946 Retrospektive auf dem Salon d'Automne
1973 Ausstellung der Barbizon Gallery, Paris
1992 Ausstellung in Pontoise im Camille-Pissarro-Museum und im Museum von Pont-Aven

Museen: Cannes, Musée des Beaux Arts
Paris, Musée des Arts modernes
Rom, Vatikanische Museen

"In seiner Jugend schwimmt er auf der impressionistischen Welle mit, und als Bretone ist er besonders empfänglich für die Interpretation, welche die Meister von Pont-Aven, seiner Heimat geben. [...] Die tausend Facetten seines Talents - die subtile Sichtweise des Atmosphärischen, die Einfachheit des Bildaufbaus, die Ausgeglichenheit der Pinselführung, die gespannte Harmonie der Oberfläche, der lyrische Schwung, sein angeborener Sinn für das Rhythmische und Körperhafte, Erstaunen vor den riesigen farbigen Ebenen, natürliches Interesse für die großen inspirierenden Gedanken - dies alles zeigt sich bis zum Anfang des Jahrhunderts in impressionistischem Gewand. Einige Jahre später wird die Palette reicher: Die Originalität von Inspiration und Ausdruck führt ihn manchmal in die Nähe von Gauguin, von Vuillard und van Gogh. [...] Seit 1896 stellt Le Beau bei Le Barc de Boutteville aus, einige Jahre später bei Berthe Weill, die sein Werk so sehr lobte - in ihrem Buch >Pan im Auge< -, mit dem Erfolg, daß sie seine Arbeiten besser verkaufte als die von Picasso. Le Beaus wachsende Berühmtheit läßt sich an den zahleichen Ausstellungen ablesen, an denen er in der Folgezeit teilnahm, in Frankreich und in den benachbarten Ländern, bis nach St. Petersburg.
Der Kunsthistoriker Louis Vauxcelles stellte Le Beau in seiner berühmten Salonbesprechung von 1905 in eine Reihe mit den Größten und erwähnte besonders seine Einsendung >La Promenade au Bois de Boulogne< als eines der Hauptwerke dieses Salons der >Wilden<, der von ihm als >Fauves< bezeichneten Künstler, darunter Derain, Cézanne, Marquet, Matisse, Rouault, der >Zöllner< Rousseau, Valtat, Vuillard etc.
Die Kritik war besonders zu dieser Zeit voller Lob für Le Beau. Gustave Geoffroy zögerte nicht, ihn mit van Gogh zu vergleichen. Dieser Vergleich war nicht unpassend zu einer Zeit, da ein bedeutender Sammler der heutigen Stiftung Pommern in Kiel gleichzeitig ein Bild von Le Beau und ein Werk von van Gogh zum Geschenk machte. Eine Ausstellung bei Vollard 1906 bedeutete den Durchbruch und bestätigte die Erwartungen des Salons von 1905. Seit dieser Zeit benützte Le Beau eine Skala von kühnen, heftigen und kontrastierenden Tönen, von eigenmächtigen Farbakkorden ungewohnter Kraft, die ihn unter die Schöpfer des Fauvismus einordnet.
[...] Die neue Inspiration revolutionierte vollständig seine Farbskala. Die ungewöhnlichsten Farbwerte wurden miteinander konfrontiert ohne Veränderung der Komposition. Bislang kaum bekannte Feinheiten gehen in großen Zusammenhängen auf, woraus eine selten erreichte Macht des Ausdrucks entsteht. Diese Periode war die konzentrierteste und meisterlichste seines Werkes.
Von September 1906 bis Januar 1907 nahm Le Beau mit einer Gruppe von Malern, darunter Luce, Manguin, Matisse, Marquet, van Rysselberghe und Seurat, an einer Serie von Ausstellungen französischer Malerei teil, die in den Museen von Dresden, Frankfurt, Karlsruhe, München und Stuttgart stattfanden. Zahlreiche weitere Ausstellungen folgten bis 1914, und in diesem Jahr insbesondere die Ausstellung in der Galerie Louis Le Grand [...]. 1907 stellte er ca. 30 Bilder in der Galerie Druet aus und verkaufte diesem Kunsthändler seinen >Christus inmitte der Diebe<, ein Bild, in dem sich unter einem dekorativem Aspekt ein bewegter Expressionismus verbirgt - Vorspiel einer großen malerischen Bewegung, die die Geschichte der modernen Malerei genauso prägte wie der Fauvismus und der Kubismus.
Die Malerei Alcide Le Beaus spiegelt in ihrer Qualität den Reichtum des beginnenden 20. Jahrhunderts. In dieser Hinsicht hat er zweifellos seinen Platz in der Geschichte, aber höher anzusetzen ist der Reichtum seines lyrischen Empfindens, Reinkarnation einer Romantik, die auf dem Weg malerischer Revolutionen untergegangen war. Seine Bilder sollten wiederentdeckt werden - in ihrer Reinheit und echten Menschlichkeit verführerische und hinreißende Noten im schillernden Konzert der Malerei" (Robert Hellebranth, Ein vergessener Fauve: Alcide Le Beau. In: Weltkunst, Heft 2, 15. Januar 1988. S. 107)

Fauvismus

Berthe Weill

Ambroise Vollard

Durand-Ruel

 

© 2017 Kunstkontor - Alle Rechte vorbehalten.